Samstag, 17. Oktober 2026
Wer hat diese Zeilen geschrieben?
Montag, 5. Oktober 2026
Die Rolle vom Histamin bei MCAS: Bei Anaphylaxie die Rettung, bei lokalen Betäubungen ein Risiko
Vielen MCAS-Betroffenen ist oft nicht klar,
Facebook: Adrenalin bei MCAS
Dienstag, 29. September 2026
Differentialdiagnostik und Ausschlussdiagnostik bei MCAS und ME/CFS
Seitdem die Tochter einer Freundin einige Jahre fälschlicherweise auf ME/CFS diagnostiziert wurde, was sie fast ihr Leben kostete, beschäftige ich mich auch mit der Ausschlussdiagnostik, die weder bei ME/CFS noch bei MCAS in der notwendigen Ausführlichkeit durchgeführt wird.
Die Tochter hatte Myasthenia Gravis, was erst geglaubt wurde, als sie nach über einem Jahr mit Magensonde und Rollstuhl eine schwere, lebensgefährliche Krise hatte. Erst dann erhielt sie die adäquate Medikation.
Bei einer jungen Nachbarin, bei der lange Post Covid vermutet wurde und die im Garten mehrmals zusammenbrach (und deswegen im Krankenhaus landete), fand ein vierter Arzt heraus, dass die Schilddrüse nie richtig kontrolliert wurde. Durch die Covid-Erkrankung entwickelte sich eine Hashimoto-Erkrankung. Seitdem sie die Schilddrüsenhormone bekommt, ist sie wieder ein anderer Mensch.
Natürlich können solche Erkrankung auch begleitend oder als Folge zu Post Covid, MCAS oder ME/CFS auftreten.
Ich z.B. hatte begleitend zu ME/CFS und MCAS
- eine chronische EBV und Herpes Zoster Erkrankung (nach 22 Jahren entdeckt)
- starke Nebenwirkungen eines Antidepressivums, durch das ich über 19 Jahre lang täglich Krampfanfälle hatte (nach 19 Jahren entdeckt)
Des Weiteren leide ich neben vielen anderen Begleiterkrankungen heute noch unter:
- einer Schilddrüsenunterfunktion
- chronischen Gastritis und Speiseröhrenentzündung
- exokrinen Pankreasinsuffizienz
- einer leichten Schlaf-Apnoe (Zufallsbefund)
- Laktose- und Fructoseintoleranz
M.E. ist es ist grob fahrlässig, die Ausschlussdiagnostik zu vernachlässigen. Denn entscheidend ist bei multisystemischen Erkrankungen auch eine multisystemischer Ansatz, bei dem jedes Puzzelteil seinen Beitrag zur Linderung beitragen kann.
Ähnliche Symptome wie ME/CFS weisen u.a. folgende Erkrankungen auf, die jedoch
auch als Begleiterkrankung von ME/CFS auftreten können:[i]
1. Chronische Infektionen wie Hepatitis oder Lyme-Borreliose
2. Schilddrüsenerkrankungen
3. Magen-Darm-Erkrankungen wie Zöliakie oder Morbus Crohn
4. psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen
5. neurologische Erkrankungen wie multiple Sklerose oder Myasthenia Gravis
6. Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder das Sjögren-Syndrom
7. Krebs
8. Blutarmut (Anämie)
9. Nebenwirkungen von Medikamenten wie Antidepressiva
10. Schlafstörungen wie eine Schlafapnoe
11. chronische Schmerzerkrankungen
12.
schädlicher Drogen- oder Alkoholkonsum
Bei einer MCAS-Diagnostik wiederum müssten folgende Erkrankungen abgeklärt werden[i]:
1. Diabetes mellitus
2.
Porphyrie
3.
Hereditäre Hyperbilirubinämien
4.
Schilddrüsenerkrankungen
5.
Morbus Fabry
6.
Helicobacter-positive Gastritis
7.
Infektiöse Enteritis
8.
Parasitosen
9.
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
10. Laktose- oder
Fruktoseintoleranz
11. Mikroskopische
Colitiden
12. Amyloidose
13. Briden,
Volvulus u. ä
14. Hepatitis
15. Cholecystolithiasis
16. Dunbar-Syndrom
17. Carcinoidtumor
18. Phäochromozytom
19. Pankreatische
endokrine Tumoren
20. Primäre
gastrointestinale Allergien
21. Hypereosinophiles
Syndrom
22. Hereditäres
Angioödem
23. Vaskulitis
24. Intestinale Lymphome
Montag, 28. September 2026
Warum werden SIBO-Betroffene nach wie vor so allein gelassen?
In einem früheren Beitrag erläuterte ich detailliert die verschiedenen Kohlenhydrat-Unverträglichkeiten und deren Diagnostik (Unverträglichkeit von Kohlenhydraten: Bei ME/CFS leider oft vorhanden).
Das zeigen die Selbsthilfegruppen und das Aufkommen der Darmberater und -behandler auf dem Gebiet.
Angesichts der Häufigkeit der Erkrankung darf man sich gern fragen, ob SIBO eigentlich das Synonym für den guten, alten Reizdarm ist - und ob es nicht endlich an der Zeit wäre, alle Ärzte diesbezüglich angemessen zu schulen.
Sonntag, 27. September 2026
Fortschritt beim Mastzellaktivierungssyndrom: die globalen Konsens-2-Diagnosekriterien nach sechs Jahren
Die internationale Expertengruppe um Prof. Dr. Lawrence B. Afrin und Prof. Dr. Gerhard J. Molderings hat in diesem Sommer eine umfassende Übersicht zu Diagnostik und Therapie von Mastzellaktivierungssyndromen (MCAS) und Mastozytose veröffentlicht. Auch wurde die Entwicklung der Diagnostik nach Einführung der Konsens-2-Diagnosekriterien vor sechs Jahren dokumentiert.
Donnerstag, 24. September 2026
Wie hängen ME/CFS und MCAS zusammen?
Eine Studie macht es deutlich. Ca. 25 Prozent aller ME/CFSler leiden auch unter einer Mastzellaktivierung - unabhängig, ob diese primär oder sekundär ist:
Immer wieder wird nach den Zusammenhängen zwischen ME/CFS und MCAS gefragt. Während Patienteninitiativen die beiden Erkrankungen immer noch getrennt voneinander betrachten, wird zunehmend klar, dass diese beiden Erkrankungen eng zusammenhängen - und für viele Betroffene eine Einheit bilden.
Nicht umsonst beinhaltet daher die ME/CFS Offlabel Medikation auch die MCAS Basismedikation, selbst wenn keine offizielle MCAS Diagnose besteht. In Österreich wird sie inzwischen sogar bezahlt von den Krankenkassen.
Buprionon: Unverträglich bei MCAS und HIT
Vor einigen Wochen informierte ich über die Rapid Elapse Studie bei Post Covid.
Dort wird Bupropion über 56 Tage getestet - in der Hoffnung, die Erschöpfung zu lindern:
Post Covid: Die Rapid Elapse-Studie mit Bupropion
Ich selbst sehe die Studie sehr skeptisch. Aber ich bin nach all den Jahren der Psychiatrisierung überzeugt, dass ME/CFS und Post Covid nicht mit Antidepressiva geheilt werden können. Da ich selbst unter einer sehr hohen Krampfanfälligkeit leide und zudem früher unter Anorexie litt, wäre Bupronion für mich auch absolut kontraindiziert.
Aufgrund der wachsenden Verzweiflung eines Probanden habe ich mich trotzdem tiefergehend mit dem Thema beschäftigt - und einen Grund gefunden, warum dieses Medikament für manche Menschen absolut nicht geeignet sein kann.
Bupronion gilt bei MCAS und Histaminintoleranz als unverträglich - und steht auf der Liste der zu vermeidenden Medikamente:
https://www.histamined.com/post/medications-to-avoid-with-mcas
Angesichts der Tatsache, dass ein sehr hoher Anteil von Post Covidlern gleichzeitig ein (sekundäres) Mastzellproblem haben dürfte, wächst meine Skepsis hinsichtlich der Studie zunehmend.
Bitte achtet gut auf Euch!
MCAS und Medikamente
Aus gegebenem Anlass möchte ich dieses Thema nochmals aus der Versenkung holen und auf ein großes Problem bei einer bestehenden Mastzellerkrankung aufmerksam machen:
Bei MCAS sind viele Medikamente schwierig bzw. unverträglich und können im Zweifelsfall anaphylaktische, also lebensgefährliche, Schocks auslösen.
Des Weiteren steht mir außer Paracetamol kein einziges verträgliches Schmerzmittel mehr zur Verfügung. Gespräche mit einer Schmerzmedizinerin über dieses Dilemma führten zu keinem befriedigenden Ergebnis - außer dass ich weiß, welches Opiat ich nach einer OP erhalten könnte.Und so halte ich mich v.a. mit Physiotherapie sowie Akupunktur über Wasser.
Fragen Sie bei Interesse direkt bei der Klösterl Apotheke in München nach, deren Personal sehr hilfsbereit ist.[1]
Mittwoch, 23. September 2026
Leaky Gut
Lasst uns mal wieder über Leaky Gut reden:
Was ist Leaky Gut
Diagnostik Leaky Gut
Darmsanierung
Behaltet das gesamte Verdauungssystem im Blick
Zahngesundheit wird oft vernachlässigt.
Meine eigenen Erfahrungen
Montag, 21. September 2026
Podcast zur Magellan-Studie bei MCAS
Anbei ein Podcast zur Magellan-Studie bei MCAS, die von Dr. Nina Kreddig angeleitet wurde.
Interessant dürften die Ergebnisse für manche jedoch sicherlich sein!
Freitag, 11. September 2026
Allergie- und Endoskopietagung am 9. und 10. Oktober des VAEM e.V.
Interessierte können sich auch in diesem Jahr kostenlos zur jährlichen Allergie- und Endoskopietagung am 9. und 10. Oktober anmelden. Organisiert und durchgeführt wird diese am Malteser Waldkrankenhaus Erlangen mit dem Verein für Allergie- und Endoskopieforschung am Menschen (VAEM e. V.). MCAS nimmt dabei einen großen Stellenwert ein.
Mehr Informationen und die Anmeldemöglichkeit findet Ihr hier: https://allergietagung.de/
Sonntag, 10. November 2024
Wie teste ich meine Gene?
In einigen Beiträgen
https://www.lebenmitmecfs.de/2024/10/live-expert-session-am-28102024-von.html
Die Suche nach Klarheit – eine Odyssee (2019 bis 2023)
wurde ja bereits klar, dass unsere Gene unsere Gesundheit stark beeinflussen können. In Hinblick auf Medikamentenverträglichkeit spielen dabei v.a. die Cyp-Gene eine große Rolle. Daher sollte man v.a. bei ME/CFS, MCAS und Salicylatintoleranz daran denken, zumindest einzelne Gene testen zu lassen.
Michaela Stiller erläutert auf ihrer Seite mycholinesterase.de vorbildlich, welche unterschiedlichen Wege der Gentestung beschritten werden können. Auch wenn sie sich in ihrem Fachgebiet auf den BcHE-Mangel konzentriert, so ist die Anleitung doch für alle Gene anwendbar.
Die Informationen finden Sie unter dem link
https://mycholinesterase.de/genetik/diagnose/#Vorgehensweise_nach_aerztlicher_Zustimmung
Dienstag, 6. August 2024
ME/CFS: Notwendige Maßnahmen bei Krankenhaus-Aufenthalten und auswärtigen Terminen
Krankenhausaufenthalte sind für ME/CFS-Betroffene eine schwere Belastung, die im Zweifelsfall eine enorme Verringerung ihrer Lebensqualität für Monate auslösen können. Leider wird immer wieder über schlechte Erfahrungen in Krankenhäusern berichtet. Stigmatisierung und Missverständnisse,
keine Rücksichtnahme auf die extreme Umweltsensibilität sowie eine unzureichende Pflege führen zu großen Problemen. Daher sollten sich alle Behandler darüber im Klaren sein, dass eine Krankenhauseinweisung ein großes Risiko darstellt - und alles tun, um diese zu vermeiden.
Um ME/CFSlern gerecht zu werden, sollten zudem in den Krankenhäusern folgende Maßnahmen ergriffen werden, um keinen Schaden anzurichten und eine Verschlechterung der gesundheitlichen Situation zu verhindern:
- Bilden Sie sich und Ihr Personal weiter!
Bilden Sie professionelle Fachkräfte für ME/CFS, insbesondere die schwere Form der Erkrankung, und gemeinsame Begleiterkrankungen wie MCS und MCAS, SFN und Co. umfassend aus. Diskreditierte Behandlungen CBT und GET sind für schwere Patienten ungeeignet und können zu einer Verschlechterung führen. - Hören Sie zu!
Hören Sie Menschen mit ME und ihren Betreuern mit gelebtem Erfahrung im Symptommanagement zu. Entwickeln Sie personalisierte Pflegepläne mit den Familienmitgliedern, die ihr Wissen über die individuellen Bedürfnisse des Patienten respektieren. Ignorieren Sie nicht die Bitten, den Patienten vor PEM/ PENE zu schützen. Sprechen sie mit den zur Verfügung stehenden ME-Spezialisten und lassen sich beraten. - Lassen Sie die private Betreuung!
Erlauben Sie einem Familienmitglied oder Betreuer, jederzeit zu bleiben, wenn er vom Patienten verlangt wird. Diese wissen aufgrund des Alltags sehr viel besser als Sie, was der Patient braucht. - Sorgen Sie für die notwendige Erholung:
Ein ungestörter Schlaf ist lebenswichtig, um einen Rückgang zu verhindern. Respektieren Sie das Bedürfnis des Patienten nach einem strengen Rhythmus seiner Aktivitäten, um die Krankenhauseinweisung zu überleben und Adrenalinstöße zu verhindern. Beseitigen Sie alle nicht-essentiellen Interaktionen, bewegen Sie sich langsam und leise um den Patienten. - Stellen Sie ein Umfeld mit geringem Stimulus:
Geben Sie dem Patienten Einzelzimmer zuzuordnen, die schallisoliert und schwach beleuchtet sind. Minimieren Sie Duftstoffe, sensorische Überlastung und Körperkontakt. Achten Sie auf eine konstante Körpertemperatur und geregelte Pflegezeiten. - Unterstützen Sie die Ernährungsversorgung:
Erkennen Sie an, dass Menschen mit ME/CFS, MCAS und MCS unzählige Lebensmittelunverträglichkeiten haben können und zudem möglicherweise nicht genug Energie zum Verdauen haben. Sonderernährung, flexible Essenszeiten und angepasste Portionen sind unabdingbar. Initiieren Sie IV-Hydration, orale Ernährungsunterstützung, enterale Tube-Fütterung oder parenterale Ernährung, wo dies angemessen ist. - Ermöglichen Sie das Medikamentenmanagement:
Die meisten Menschen mit ME/CFS, MCAS und MCS leiden unter schweren Medikamentenunverträglichkeiten und -allergien. Achten Sie auf die Allergiepässe, Notfallverordnungen der Ärzte und sprechen Sie jegliche Medikation mit den Betroffenen bzw. ihren Angehörigen ab. Dies gilt v.a. für operative Eingriffe, für die besondere Vorsichtsmaßnahmen gelten. Meiden Sie Kontrastmittel beim Röntgen. Schleichen Sie die Medikamente einzeln und langsam auf niedrigster Dosierung ein, um Schäden zu vermeiden. - Respektieren Sie notwendige Hilfsmittel:
Menschen mit ME/CFS brauchen oft eine dunkle Brille, Kopfhörer oder Ohrstöpsel sowie Augenmasken, um sich von den schädigenden Umweltreizen abzuschirmen. Sie leiden in der Regel unter einer orthostatischen Intoleranz und sollten möglichst flach liegen. Eine Betroffene sind hypermobil und überempfindlich auf Berührung. Und bitte denken Sie daran, dass gerade bei Schwerst Betroffenen eine einfache Bewegung wochenlang Schmerzen verursachen kann. - Sorgen Sie für gute Kommunikation:
Es ist wichtig, eine klare und mitfühlende Kommunikation mit kognitiv beeinträchtigten Patienten und ihren Familien zu bieten und sie in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Wenn Patienten Gespräche vertragen, sprechen Sie langsam und leise; geben Sie ihnen zusätzliche Zeit, um Informationen zu verarbeiten. - Glauben Sie den Betroffenen und ihren Angehörigen:
ME/CFS ist eine schwere neuro-immunologische und damit somatische Erkrankung.
Schwere bzw. schwerste ME/CFS hat eine viel geringere Lebensqualität als Krebs, Schlaganfall, MS und chronischer Nierenversagen. Die Patienten sollten daher mit Respekt behandelt werden, ihre physiologischen Erkrankungen erkannt und ihre Symptome adressiert werden. Bitte verdreifachen Sie nicht die Not durch Verachtung oder Stigmatisierung bzw. Medical Gaslighting. Das haben die meisten Betroffenen schon allzu oft erlebt
.
Diese Ratschläge stammen von der Website https://worldmealliance.org/2024/08/safer-hospital-care-for-severe-me-severemeday-2024/
Mittwoch, 3. Juli 2024
Mein heutiges Leben
In den letzten Beiträgen habe ich über die Anfänge meiner ME/CFS und den langen, langen Weg bis zur Diagnose berichtet. Dieser Weg dauerte bei mir über 19 Jahre.
Hier können Sie meine Geschichte nachlesen:
1. Wie bei mir die ME/CFS anfing
2. Vor den Trümmern meiner Existenz
3. Die Suche nach Klarheit – eine Odyssee (2019 bis 2023)
Mein heutiges Leben
Nach all den Irrungen und
Wirrungen bin ich seit einiger Zeit bei mir angekommen. Ich kenne die Gründe für meine
langjährige Erschöpfung und die vielen anderen gesundheitlichen Probleme. Zudem
habe ich gelernt, mich auf mein Körpergefühl, das sich allein durch die Körper-
und Physiotherapie stark verbessert hat, zu verlassen. Und ich weiß in der
Regel, wie ich bei Symptomen gegensteuern kann. Inzwischen würde ich mich
wieder als moderat betroffen bezeichnen. Meist befinde ich mich bei einem Bell
von 40 bis 60, wobei es mir im Sommer wesentlich besser geht. Im Winter braucht
mein Körper wiederum sehr viel Energie, um mit der Kälte klarzukommen. Wie
anstrengend das ist, merke ich jedes Jahr ab Januar/ Februar. In diesen Monaten
bemerke ich meist einen Einbruch meiner körperlichen Kraft. Auch die
Anfälligkeit für Viren und Co. steigt um ein Vielfaches.
mein alltag
Meine täglichen Spaziergänge mit unserer Hündin sind für mich das Highlight eines jeden Tages. In der Regel bin ich zweimal unterwegs. An guten Tagen bin ich jeweils eine Stunde unterwegs, an schlechteren 45 Minuten. Bei den Spaziergängen wechsele ich zwischen gemütlichem Tempo und Nordic Walking ab.
Darüber hinaus schaffe ich in der
Regel einen Außentermin pro Tag, wobei ich jedoch darauf achte, dass ich in der
Woche auch freie Tage habe. Diese Termine sind meist Arzt- oder Therapieterminen
vorbehalten. Aber ich nehme mir auch Zeit für Freunde. Ideal ist dabei für
mich, wenn ich die Treffen mit meinen Freunden mit einem gemeinsamen
Spaziergang verbinden kann, der in der Regel in einem gemütlichen, nicht zu
lauten Café endet.
Den Rest des Tages bin ich zuhause. Ich versuche grundsätzlich bis mindestens 9
Uhr zu schlafen, da ein früheres Aufstehen für meinen Körper sehr anstrengend
ist. Gegen Mittag muss ich mich dann für zwei Stunden konsequent hinlegen,
wobei ich an guten Tagen Rätsel löse oder lese. An schlechteren Tagen mache ich
die Augen zu und mache Atem- oder gewisse Meditationsübungen. Oft schlafe ich
auch ein wenig.
In der restlichen Zeit mache ich ein wenig im Haushalt, erledige Organisatorisches, schreibe, male oder recherchiere. Zwischendurch achte ich darauf, dass ich Entspannungsübungen mache – und wenn es nur für fünf Minuten sind. Telefonate verschiebe ich grundsätzlich auf gute Tage, da sie mich sehr anstrengen. Abends koche ich mit meinem Mann zusammen. Wir haben für die gemeinsame Zeit und Gespräche dann meist zwei Stunden reserviert, die wir noch zusammen im Wohnzimmer essen und einen Film schauen. Danach ziehe ich mich zwischen 20 h und 21 h zurück, um meine täglichen Dehnungs- und einige wenige Muskelaufbau-Übungen zu machen. Gegen 22 bis 23 h gehe ich zu Bett.
Dank einer Hilfe, die einmal pro Woche für vier Stunden kommt, habe ich im Haushalt ein wenig Unterstützung. Mein Mann übernimmt die großen Einkäufe, während ich Kleinigkeiten besorge. Die Fahrten zu Ärzten und Therapien erledige ich zu 80 Prozent mit dem Taxi oder MOIA. Früher hatte ich deswegen ein sehr schlechtes Gewissen und dachte, ich sei zu bequem, den ÖPNV zu nutzen. Inzwischen weiß ich, dass diese Selbstfürsorgemaßnahmen mich schon seit Jahren vor größeren Crashs geschützt haben.
An Wochenenden unternehmen mein Mann und ich mit unserer Hündin wiederum kleine Ausflüge ins Grüne. Manchmal besuchen wir auch eine Ausstellung oder gehen in die Bücherhallen. Klassische Konzerte waren früher noch gut machbar, sind jedoch seit der Salicylatintoleranz sehr schwierig geworden. In der Regel parfümieren sich v.a. die Besucherinnen so stark, dass es für mich selbst mit Maske manchmal unmöglich ist, im Raum zu bleiben. Trotzdem versuchen wir es immer wieder und haben uns inzwischen angewöhnt, Sitze am Rand zu reservieren – sodass ich den Düften nicht so sehr ausgesetzt bin. Alle Unternehmungen sollten jedoch nur maximal drei Stunden dauern. Mehr ist in der Regel nicht machbar, weil ansonsten ein Crash droht.
Popkonzerte wiederum sind aufgrund der Lautstärke und der Menschenmengen nicht mehr machbar. Auch Restaurantbesuche sind aufgrund der zahlreichen Unverträglichkeiten fast unmöglich geworden. Eine Ausnahme bilden Steakhäuser, da ich dort in der Regel ein frisch gebratenes Stück Fleisch sowie eine Backkartoffel bekomme.
Ansonsten ist meine Ernährung nach wie vor stark eingeschränkt. Im Vergleich zu anderen MCAS-Erkrankten, die gleichzeitig unter einer Salicylatintoleranz leiden, kann ich jedoch inzwischen wieder zwischen 20 bis 30 Lebensmitteln auswählen. Das ist auf jeden Fall ein Fortschritt. Da ich sehr oft gefragt werde, was ich zu mir nehme, hier die Antwort: Ich esse nach wie vor rollierend und achte dadurch darauf, dass ich nicht ständig dieselben Lebensmittel zu mir nehme. Dabei ernähre ich mich hauptsächlich von frischem Biofleisch und histaminarmen Fischsorten, glutenfreien Porridges (mit Wasser angerührt), Lein- und Hanföl sowie Gemüse mit niedrigen Salicylatwerten. Hanf- und Reisprotein unterstützen meine Eiweißzufuhr. Manchmal gönne ich mir auch eine Portion Reis oder eine Backkartoffel. Obst esse ich zurzeit nur in homöopathischen Dosen (z.B. eine Heidelbeere als Dekoration). Auf Gluten muss ich leider nach wie vor verzichten, da es mein Leaky Gut wieder anfacht. Milchprodukte wiederum würde ich gern wieder einschleichen. Bisher ist dies jedoch sehr schwierig. Ziegen- und Schafsmilchprodukte sind noch am verträglichsten. Aber wahrscheinlich habe ich Probleme mit der Benzoesäure, die in vielen Milchprodukten enthalten ist. Zucker wiederum ist mehr oder weniger tabu, wobei ich mir inzwischen aber auch mal ein Stück Schokolade oder ein paar Gummibärchen gönnen kann. Auch Esskastanien vertrage ich gut. Bei Getränken bin ich nach wie vor sehr eingeschränkt: Sulfatarmes stilles Wasser und Roibuschtee sowie zwischendurch ein Schluck Wasserkefir – das ist alles, was mir noch möglich ist.
Medikamentös bin ich mit der MCAS-Basismedikation sowie mit LDN und einem
Mittel zum Schlafen gut ausgestattet. Im Gegensatz zu früher benötige ich kaum
mehr Schmerzmedikamente. Auch der Gebrauch von Muskelrelaxantien ist stark
gesunken.
Darüber hinaus setze ich v.a. auf natürliche Hormone sowie die
Mikronährstofftherapie. Da ich zudem die Verdauung sowie Entgiftung unterstütze
und den Darm saniere, kommen damit jedoch täglich mehrere Kapseln zusammen, die
ich zu schlucken habe. Die schiere Anzahl der Pillen erschreckt mich manchmal. Aber
es gibt zumindest derzeitig keine Option, sie wegzulassen. Mein Körper braucht
die Nährstoffe und Hormone, was sich durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen
immer wieder beweisen lässt.
Bei allen Einschränkungen bin
dankbar, dass so vieles wieder möglich ist, was 2019 so weit entfernt zu sein
schien. Es ist ein kleines, feines Leben, das ich inzwischen führe – mit sehr
viel Disziplin, aber auch mit vielen kleinen und großen Glücksmomenten.
was mir fehlt…
Aber mir fehlt sehr viel aus
meinem früheren Leben: Zu gern würde ich z.B. wieder ins Schwimmbad gehen, wie
früher, als ich noch meine Bahnen zog. Dies scheitert zurzeit jedoch zurzeit
allein daran, dass meine Haut auf Chlorwasser allergisch reagiert.
Und ich wäre überglücklich, wenn ich einem Café einfach mal unbeschwert einen
Tee trinken könnte, anstatt nur auf stilles Wasser zu setzen. Auch die
Kurztrips übers Wochenende fehlen mir sehr, die wir früher regelmäßig
unternahmen. Wir haben uns inzwischen angewöhnt, einige Male im Jahr ans Wasser
zu fahren, wobei wir stark darauf achten, dass die Reisezeit weniger als drei
Stunden per Auto beträgt. Diese Urlaube sind mir sehr viel wert. Früher sind
wir jedoch sehr oft verreist, um unsere Freunde zu treffen und neue Orte
kennenzulernen. Dies ist inzwischen in dem Umfang nicht mehr möglich.
Da wir viele Freunde haben, die
nicht an unserem aktuellen Wohnort wohnen, bin ich darauf angewiesen, dass
diese mich besuchen. Einige tun dies, wofür ich sehr dankbar bin. Aber andere
habe ich seit Jahren nicht mehr getroffen. Zudem habe ich einen Großteil meiner
Familie und meine Heimatstadt seit über 15 Jahren nicht mehr gesehen, weil ich
am anderen Ende von Deutschland aufgewachsen bin. An Fernreisen ist sowieso
nicht mehr zu denken. Hier stehen mir nicht nur die geringe körperliche
Belastbarkeit, sondern vor allem meine zahlreichen
Nahrungsmittelunverträglichkeiten im Weg. Auch wenn ich inzwischen wieder ca.
20 bis 30 Lebensmittel zur Verfügung habe, so wüsste ich nicht, wie ich mich
anderswo ernähren könnte. Das Land Japan, das ich durch mein Studium kennen und
lieben lernte, habe ich seit 2001 nicht mehr besucht. Dadurch sind mir die
meisten japanischen Freunde weggebrochen. Wenn ich mir das vor Augen führe,
wird mir klar, wie einschränkend und wie einschneidend diese Erkrankung ist.
hoffnung und realismus
Aber ich bin immer noch optimistisch und träume davon, dass ich noch weitere Fortschritte machen kann. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Da ich immer älter werde, muss ich damit rechnen, dass andere Erkrankungen hinzukommen und mir das Leben schwermachen werden. Zudem bin ich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen vor Crashs nicht gefeit. Während ich dieses Buch schreibe, erlitt ich z.B. einen Rückfall durch einen hartnäckigen Infekt. In der Zeit musste ich für eine Weile alle Außentermine absagen, um nicht noch tiefer zu rutschen und wieder Kräfte sammeln zu können.
Auf die Forschung wiederum setze ich persönlich nicht mehr viel. Dafür
bin ich zu lange erkrankt und auch schon zu alt. Trotzdem hoffe ich für andere
und v.a. jüngere Betroffene, dass irgendwann wirksame und v.a. verträgliche Medikamente
entwickelt werden. Angesichts der desolaten Versorgung der ME/CFS- und
MCAS-Patienten sehe ich wiederum oft schwarz. Nach wie vor bemühe ich mich um
Aufklärung und hatte in diesem Rahmen letztens auch wieder ein Interview mit
einer Nachrichtenagentur. Aber mir wurde in den letzten zwei Jahren klar, wie
langsam die Mühlen mahlen. Ich setze meine Hoffnung eher in die individuellen
kleinen Schritte und die kleinen Erfolge, die ich zu verzeichnen habe. Und da
es bei mir trotz all der Bemühungen nach wie vor Baustellen gibt, an denen ich
weiterarbeiten muss, gibt es auch die Möglichkeit der weiteren Verbesserung. Denn
auch wenn ich fast alle Nährstoffmängel beseitigt habe, so stehe ich z.B. aktuell
mit dem Wirkstoff Q 10 oder auch mit meiner Jodversorgung noch auf Kriegsfuß.
Genauso bleibt mein Mikrobiom eine Dauerbaustelle, auch wenn sich die Werte
langsam, aber stetig über die Jahre erholen. Mir ist jedoch klar, dass die
Darmsanierung ein Lebensprojekt darstellt, das vor allem ein Ziel hat:
Schlimmeres verhindern und in Mini-Schritten vorwärtskommen. Genetisch bin ich
in Hinblick auf Darmgesundheit katastrophal aufgestellt. In meiner Familie sind
Morbus Crohn und Darmkrebs sowohl von väterlicher als auch von mütterlicher
Seite sehr weit verbreitet, sodass ich froh sein muss, bisher noch nicht davon
betroffen zu sein.
katastrophale medizinische versorgung
Angesichts der schlechten
Versorgung von ME/CFS- und MCAS-Erkrankten in unserem Gesundheitssystem bin ich
wiederum immer wieder aufs Neue fassungslos. Ich weiß, dass ich die starken
Verbesserungen meines Gesundheitszustandes nur dank einiger Privatärzte
erzielen konnte. Hätte ich vor einigen Jahren nicht ein kleines Erbe erhalten,
hätte ich keine Möglichkeiten gehabt, diese zu bezahlen. Wäre ich in den
letzten Jahren weiterhin auf das Kassensystem angewiesen gewesen, sähe das ganz
anders aus. Auch heute erlebe ich trotz der klaren Diagnostik Unwissen und
Gleichgültigkeit bei manchen Kassenmedizinern, was mich immer wieder
erschreckt. In gewissen fachmedizinischen Bereichen wird es immer schwieriger,
als komplex Erkrankte überhaupt einen Termin zu erhalten. So bin ich öfters als
mir lieb ist gezwungen, auf die Expertise von Privatmedizinern zurückzugreifen.
Natürlich gibt es Ausnahmen, für die ich enorm dankbar bin – allen voran mein
Hausarzt, der mich nun schon seit zwanzig Jahren begleitet. Gleichzeitig habe
ich große Angst vor dem Tag, an dem er in Rente geht – was unwiderruflich
irgendwann der Fall sein wird.
Daher kann ich mit Hilfe dieses Buches nur wiederholt und inständig an die
Politik plädieren, die notwendige Einrichtung von bundesweiten Anlaufstellen
für ME/CFS und MCAS zu forcieren. Ich bitte die Ärzte in diesem Land, sich mit
ME/CFS und MCAS auseinanderzusetzen und diese Erkrankungen bei unklaren
Beschwerden in Betracht zu ziehen sowie die notwendige Diagnostik
durchzuführen. Es gibt inzwischen Schulungen vonseiten der Charité[1],
vom VAEM e.V. (Verein für Förderung der Allergie- und Endoskopie-Forschung am
Menschen e.V.) und anderen Stellen, die auch online besucht werden können. Diese
Bitte geht auch an Kranken- und Rentenversicherungen sowie Versorgungsämter. Es
ist keine Option mehr, diese Erkrankungen zu leugnen und den Betroffenen
notwendige Leistungen zu verweigern.
Und ich bitte v.a. die Hausärzte, komplex Erkrankte nicht im Stich zu lassen. Zu oft höre und lese ich, dass ME/CFS-Betroffenen von Hausärzten nicht mehr aufgenommen werden, da sie „zu komplex“ sind. Hilferufe von Schwersterkrankten gehen viral, weil sie die Unterstützung eines Hauarztes benötigen, der noch Hausbesuche macht. Mir ist bewusst, dass die Budgets und der Leistungsdruck in den Arztpraxen Deutschlands ein großes Problem sind. Aber wenn jeder Hausarzt ein bis zwei ME/CFS-Betroffene betreuen würde, dann wäre dies für alle Beteiligten machbar. Das, was teilweise aktuell in Deutschland geschieht, grenzt an unterlassener Hilfeleistung.
[1] Sie finden die Online-Schulungen on Demand unter folgendem link: https://www.mecfs.de/was-ist-me-cfs/informationen-fuer-aerztinnen-und-aerzte/on-demand-fortbildung/
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In einer norwegischen Studie wurden 16 medizinische Vertreter der Psychosomatik befragt, die bei ME/CFS einen die einen „psychologisch und...
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Gerade wurde in einem Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung über eine erste Studie zu Naltrexone bei Long Covid und ME/ CFS berichtet http...











