Dienstag, 20. Januar 2026
"Alles hat seine Zeit": Warum Abstand von Selbsthilfegruppen auch gut tun kann
Im letzten Jahr habe ich mich aus einem sehr starken Bauchgefühl heraus aus fast allen Selbsthilfegruppen abgemeldet, die mich über Jahre begleitet haben. Es war keine Kurzschlussentscheidung, sondern ein Denk- und Fühlprozess über viele Monate - in dem ich schrittweise "ausstieg".
In dieser Zeit wurde mir klar, dass ich an einem Punkt angelangt bin, an dem ich meist "zuviel" weiß. Wenn man sich wie ich schon seit Jahren intensiv mit allen möglichen Themen aus der Psycho- bzw. Traumatherapie sowie der ganzheitlichen und funktionellen Medizin beschäftigt sowie über einen recht hohen Kenntnisstand bezüglich ME/CFS, MCAS und all den Begleiterkrankungen verfügt, dann ist man irgendwann "drüber". So erging es nicht nur mir, sondern auch anderen Betroffenen, die ich gut kenne.
Viele Fragen berührten mich nicht mehr, da ich sie in meinem Kopf sowie in den Foren schon zig mal durchgekaut hatte. Im Gegenteil: Ich ärgerte mich eher darüber, dass viele die Suchfunktion nicht nutzen, die so wertvolle Hinweise gibt und verhindert, dass Themen zum x. Mal durchgekaut werden.
Andere Diskussionen, die z.T. mit einer sehr starken Schwarz-Weiß-Sicht geführt wurden und kaum differenzierte Meinungen zuließen, belasteteten mich zutiefst. Ich bin ein sehr kritischer Mensch, der jede Frage mit allen Pro und Contras beleuchtet - musste jedoch feststellen, dass das teilweise eher als Angriff gesehen wird. Da ich helfen wollte, hielt ich das lange Zeit aus. Aber irgendwann fragte ich mich zurecht, warum ich das noch akzeptieren soll.
Und nicht zuletzt merkte ich, wie sehr ich mich von den sozialen Medien abhängig machte - obwohl viele Gruppen mir kaum mehr Mehrwert brachten.
Die sozialen Medien bieten Vorteile, die ich nicht missen möchte - aber sie haben auch ein gewisses Suchtpotential, das nicht zu leugnen ist. PC und Smartphone sind zudem nicht wirklich geeignete Werkzeuge, um ein konsequentes Pacing zu gestalten. Und auch wenn ich täglich immer viele Pausen einlegte, so reichten mir diese irgendwann nicht mehr aus. Meine Seele und mein autonomes Nervensystem verlangten nach noch mehr Ruhe, noch mehr Abstand. Sie verlangte nach Puzzeln, Büchern, Ruhe, frischer Luft, langsamen Bewegungen und Abstand. Und sie brauchte nach den Jahren der intensiven Beschäftigung mit all den Themen eine Pause.
Da ich im realen Alltag zudem mit vielerlei Problemen und Belastungen zu tun hatte (u.a. ein Tod einer sehr nahen Familienangehörigen mit allen Konsequenzen), war dies umso wichtiger.
Diesen Abstand gönne ich mir bis heute. Und mir wird gerade in den letzten Tagen, in denen mir bei FB wieder mehr Long Covid- und ME/CFS-Themen und -Beiträge in die Timeline gespült werden, bewusst, wie wichtig er ist. Vieles, was ich früher täglich mehrmals las und so mittrug, zieht mich heute sehr schnell runter.
Kurz:
Ich brauche aktuell nach wie vor den Abstand, um mich wieder mehr auf mein Leben außerhalb meiner vielen Erkrankungen konzentrieren zu können.
Eventuell wird sich das irgendwann wieder ändern. Aber noch nicht jetzt!
Daher mein Tipp:
Schaut gut auf Euch und achtet auf die Warnsignale.
Legt das Smartphone oft und lang genug beiseit, auch wenn es das einzige Kontaktmittel zu Eurer Umwelt ist.Ihr braucht auch die Zeit für Euch!
Dienstag, 31. Dezember 2024
Die Schmetterlingsumarmung
Die Schmetterlingsumarmung ("Butterfly Hug" oder "Hug of self-love") hat sich bewährt, um den eigenen Stress herunterzuregulieren und sich selbst zu beruhigen.
Woher kommt die Übung?
Die Übung wurde zum ersten 1997 von den beiden Traumatherapeuten Lucina Artigas und Ignacio Jarero
eingesetzt, als sie Überlebende des Hurricans Pauline in
Mexiko betreuten. Die Überlebenden konnten sich in Ausnahmesituationen damit emotional stabilisieren.
Nach diesem erfolgreichen Einsatz fand die Übung ihren Platz in der Trauma- und Angsttherapie. Sie wird inzwischen jedoch auch im Alltag immer wieder angewendet.
Wie funktioniert die Übung?
- Kreuzen Sie die Arme über der Brust. Ihre Fingerspitzen sollten
unterhalb Ihrer Schlüsselbeine liegen. Achten Sie darauf, dass Ihre
Hände so vertikal wie möglich liegen, also eher Richtung Hals.
- Bewegen Sie anschließend sanft die Hände auf
und ab und klopfen bzw. tippen Sie mit den Fingerspitzen sanft auf die jeweilige Stelle
unter Ihrem Schlüsselbein. Dieses Tappen können Sie abwechselnd
links und rechts oder auch mit beiden Händen gleichzeitig ausführen.
- Bewegen Sie Ihre Hände in einem freien Rhythmus und einem angenehmen Tempo.
- Atmen Sie dabei langsam in den Bauch ein und länger wieder aus.
- Sie können gerne während dieser Bewegung die Augen schließen.
- Senken Sie die Arme wieder, wenn Sie das Gefühl haben, dass es ok ist.
Welches Prinzip steckt hinter der Übung?
Diese Technik wird auch als Duale Aufmerksamkeits-Stimulation
bezeichnet. Die ausführenden Personen beruhigen sich taktil durch eine bestimmte Bewegung und gedanklich durch Achtsamkeit. (Wichtig! Es handelt sich hierbei nicht um eine bilaterale
Hemisphärenstimulation wie beim EMDR).
Damit wirkt die Schmetterlings-Umarmung auf zwei Arten beruhigend.
Zum einen geben wir uns das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, wenn wir uns selbst umarmen. Zum andern fördert die angenehme Selbstberührung die Ausschüttung von Oxytocin, das wiederum eine stressregulierende Wirkung auf die Amygdala, unserem neuronales
Stresszentrum im Gehirn, hat.
Darüber hinaus wird der präfrontale Cortex durch die Achtsamkeit der Übung aktiviert, was den Stress minimiert. Dieser ist in
unserem Gehirn zuständig für die Verarbeitung von Emotionen und stellt
damit quasi unser Steuerungszentrum dar.
Quelle: Mauritz, Sebastian: Der Butterfly Hug - Schnell und einfach Stress regulieren
, auf https://www.resilienz-akademie.com/resilienz-hacks/butterfly-hug/
Freitag, 22. November 2024
Prof. Dr. Stark Live Expert Session: Ein Patienten-Werkzeugkasten für stressige (Weihnachts)zeiten
Die Weihnachtszeit steht vor der Tür – und obwohl sie eine Zeit der Ruhe und Besinnung sein sollte, empfinden viele sie als besonders anstrengend und emotional belastend.
Die festliche Hektik, die Erwartungen und der soziale Druck werden
schnell zu viel. Für Menschen mit ME/CFS, LongCovid & PostVac ist
diese Zeit oft eine doppelte Herausforderung – sowohl körperlich als auch mental.
Vielleicht
kennen Sie das auch: Die Erschöpfung fühlt sich ohnehin schon
erdrückend an, und doch möchten Sie genau wie jeder andere die festliche
Zeit genießen – Momente der Ruhe finden, sich mit anderen verbinden und
den Zauber dieser Jahreszeit spüren.
Aber es fällt schwer, sich diesen
kleinen Freuden hinzugeben, wenn der Körper am Limit ist und der Geist
nicht zur Ruhe kommt.
In der kommenden LIVE Expert Session am 09.Dezember um 18 h bietet
Prof. Dr. Stark daher einen „Werkzeugkasten“ an bewährten Techniken,
Methoden und
Impulsen, die Sie in stressigen oder schwierigen Momenten
stabilisieren und Ihnen helfen, in dieser Zeit das innere Gleichgewicht
zu bewahren.
Samstag, 2. November 2024
Buch "Kopf über Wasser: Leben mit ME/CFS und MCAS"
Bei Buch.de wiederum findet man das Buch bereits mit Bild:
Mittwoch, 31. Juli 2024
Die Stellatum-Blockade
Bei dieser Behandlung wird für eine kurze Zeit das Nervengeflecht im Bereich des unteren Halses (Ganglion stellatum) lokal betäubt. In der Regel wird dafür Procain verwendet, das sich aufgrund der kurzen Halbwertszeit dafür eignet. Bei anderen Mitteln wie Mepivacain ist die Halbwertzeit im Vergleich mehr als 3x so lang, was bei einer möglichen unerwünschten Reaktion nicht so leicht zu behandeln ist. Aber grundsätzlich sind auch diese einsetzbar.
Dadurch werden u.a. schmerzleitende Impulse unterbrochen. Auch der Halssympathicus wird für eine begrenzte Dauer ausgeschaltet. Bis vor Kurzem war die Stellatum-Blockade v.a. in der Schmerztherapie bekannt und kam nur für Patienten mit einem komplexen regionale Schmerzsyndrom (CRPS), einem Raynaud-Syndrom, einer Trigeminusneuralgie oder einer Post-Zoster-Neuralgie in Frage. Inzwischen sprechen jedoch die ersten Studien und Versuche dafür, dass diese Blockade auch bei Long Covid und ME/CFS helfen kann.[i] Es wird davon ausgegangen, dass die kurzfristige Blockade des Sternganglions das lokale autonome Nervensystem zu einer Art „Neustart“ animiert, die wiederum mit einem Rückgang der Symptome verbunden ist.
Angeboten wird diese Art der Therapie bisher von wenigen Schmerzmedizinern
sowie Neurochirurgen und Neurologen. Aufgrund der Risiken sollten Sie sich an
einen kundigen Mediziner wenden. Viele wenden zur Unterstützung zudem Ultraschall an, um die Spritze exakt
justieren zu können.
Weitere Informationen über diese Therapie finden Sie in den u.a. Quellen sowie unter folgendem link: Aus unserer Community: Die Ganglion Stellatum-Blockade
[i] Fischer, Lorenz; Barop, Hans, Ludin, Sabina Maria Ludin und Schaible, Hans-Georg (2021): Regulation of acute reflectory hyperinflammation in viral and other diseases by means of stellate ganglion block. A conceptual view with a focus on Covid-19, auf: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34894589/, zuletzt aufgerufen am 31.07.2024 sowie CW/ Ärzteblatt (2022): Stellatumblockade als neuer Ansatz bei Long COVID denkbar, auf https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/130981/Stellatumblockade-als-neuer-Ansatz-bei-Long-COVID-denkbar, zuletzt aufgerufen am 31.07.2024 sowie Liu, Luke D. Liu und Duricka, Deborah L.(2022): Stellate ganglion block reduces symptoms of Long COVID: A case series auf https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8653406/, zuletzt aufgerufen am 31.07.2024
Donnerstag, 4. Juli 2024
Prof Dr. Stark: Noch Plätze frei beim Gruppen-Coaching!
Prof. Dr. Stark ist einer der wenigen Fachärzte in Deutschland, der sich mit ME/CFS und Post Covid tagtäglich intensiv auseinandersetzt. Er und sein Team setzen sich stark für die Belange der Erkrankten ein. U.a. bietet er auch ein Online-Genesungsprogramm an, über das ich bereits berichtet habe: Welche Online-Genesungsprogramme für ME/CFS sind empfehlenswert?
Dieses Online-Genesungsprogramm geht in eine neue Runde - und noch sind einzelne Plätze im Gruppen-Coaching frei. Dieses bietet sich v.a. für Neulinge an, die sich bisher noch nicht mit den unterschiedlichen Selbsthilfe-Maßnahmen und Übungen auseinandergesetzt habe, mit denen Betroffene ihr aus dem Lot geratenes
autonomes Nervensystem beeinflussen können.
Das Gruppencoaching auf einen Blick
Start: Dienstag, 09. Juli 2024
Dauer: 6-7 Monate, alle 2-3 Wochen dienstags von 17-18 Uhr
Umfang: Insgesamt 10x 60-minütige Gruppencoachings mit Prof. Dr. Stark persönlich!
Zugang: Teilnahme über ZOOM (per Handy, Tablet oder PC/Laptop möglich)
Aufzeichnung: Jede Sitzung wird aufgezeichnet und im Anschluss zur Verfügung gestellt.
Geschlossene Community: Jede Gruppe hat eine eigene Community, in der Sie sich auch außerhalb der Sessions untereinander und mit mir austauschen können.
12 Monate Zugriff auf den begleitenden Online-Videokurs mit umfangreichen unterstützenden Materialien
Anmelden können Sie sich hier.
Samstag, 15. Juni 2024
Alle Beiträge zum Thema "Pacing"
Da dieser Blog in relativ kurzer Zeit sehr stark gewachsen ist, habe ich mich entschieden, zu einzelnen wichtigen Themen separate Übersichten über die bereits erschienenen Beiträge bereitzustellen, die regelmäßig aktualisiert werden. Diese Übersichten finden Sie in der rechten Spalte ganz unten.
Eine unerlässlich wichtige Strategie bei ME/CFS und MCAS ist das Pacing.
Die dazugehörige Übersicht finden Sie hier
Dienstag, 11. Juni 2024
Meditationen
In der Regel finden Sie heutzutage in fast edem Online-Genesungsprogramm Meditationsangebote. Sicherlich können diese auch hilfreich sein, um das ANS zu beruhigen. Aber Betroffene mit psychischen Problemen sowie Hochsensibilität sollten auf freie, reine und unbewegte Meditationen verzichten. Denn gerade für diese Zielgruppen bergen reine Meditationen auch Risiken. Vor allem bei intensiverer Anwendung können diese u.a. Angstzustände, traumatische Flashbacks und Hypersensibilität sowie Wahnvorstellungen und dissoziative Störungen auslösen.[i]
Sicherer und hilfreicher ist es, sich mit geführten Meditationen sowie
Imaginationsübungen und Visualisierungen zu beschäftigen. Da in der heutigen
Zeit die Begrifflichkeiten stark verschwimmen, ist es zudem gut, kritisch zu
bleiben. Sollten Sie sich in Bezug auf einen Meditationsinhalt unsicher sein,
können Sie die Sequenz erst einmal probehören, bevor Sie sich im nächsten
Schritt voll darauf einlassen. So vermeiden Sie unliebsame Überraschungen. Darüber
hinaus sollten Sie sich bei geführten Meditationen genauso verhalten wie bei
den Imaginationen. Denken Sie an die Vorbereitung wie z.B. die Erdung und an
einen Handschmeichler. Und wenn Sie die Meditationserfahrung genießen konnten,
unterstreichen Sie dies durch einen Anker.
Geführte Meditationen
Eine geführte Meditation hat oft denselben Inhalt wie manche Imaginationsübung, Fantasiereise oder auch Visualisierung. Mit diesen würde ich – v.a. als Anfängerin – immer beginnen, bevor ich mich eventuell später entscheide, in die reinen Meditationen einzusteigen.
Geführte Meditationen,
Imaginationen und Visualisierungen haben folgende Vorteile:
- Sie geben Führung und nehmen Sie mit auf eine Reise. Dabei werden Sie
nicht allein gelassen.
- Sie können durch die anleitende Stimme besser loslassen. Viele störenden Gedanken
und belastende Gefühle, die die reine Meditation so schwierig machen und auch
weniger zur Entspannung beitragen, treten bei geführten Meditationen nicht bzw.
nur bedingt auf. Dadurch können Sie sich vollständig der Meditation hingeben.
- Die geführte Meditation entspannt und steigert gleichzeitig die Konzentration. Durch die anleitende Stimme ist das Risiko, abzuschweifen oder in Unruhe bzw. in Grübeleien zu geraten, sehr gering.[ii]
Die Nachteile einer geführten Meditation sind m.E. gerade bei ME/CFS und Co. zu
vernachlässigen, da die positiven Aspekte überwiegen. Trotzdem sollen sie hier
erwähnt werden: Geführte Meditationen haben ihre Grenzen, bedingt durch Thema,
Stimme und Länge. Damit lassen sie wenig Raum für selbstständige Entdeckungen
außerhalb der Thematik und verleiten manche Menschen zu Tagträumen und zum
Einschlafen – was jedoch bei ME/CFS und MCAS meist eher ein Gewinn ist.
Meditationen im engeren Sinne sind immer freie Meditationen ohne Anleitung und sind v.a. in den fernöstlichen Bewegungsarten wie Qi Gong oder Yoga zu finden. Für diese ist eine gewisse emotionale Stabilität unabdingbar. Bei gleichzeitig bestehenden Traumafolgestörungen oder Depressionen wird grundsätzlich von reinen Meditationen abgeraten. Darüber sollte sich der Übende bereits vor einer Meditation in einem entspannten Zustand befinden. Bei zu hoher Anspannung entsteht sonst die gegenteilige Wirkung.
Stille Meditation
In der stillen Meditation setzen Sie sich einfach hin und
beobachten, was in Ihrem Körper und Geist vor sich geht. Dabei konzentrieren
Sie sich auf Ihren Atem.
Mantra-Meditation
Bei der Mantrameditation wählen Sie ein Mantra (Silbe, Wort, Aussage) oder eine Affirmation aus, die Sie immer wieder geistig wiederholen.
Chakra-Meditation
Hier wird mit Visualisierungen in
einem bestimmten Körperbereich gearbeitet, um dessen Eigenschaften anzuregen. Ein
Beispiel ist z.B. die Herz-Chakra-Meditation, das darauf zielt, Mitgefühl und
Liebe für unsere Mitmenschen zu entwickeln. Dabei konzentrieren Sie sich einfach
auf Ihre Herzgegend und spüren, was dort aktuell passiert. Sinnvoll ist es,
sich zur Unterstützung ein warmes, grün-leuchtendes Licht in diesem Bereich vorzustellen,
das sich langsam ausbreitet.[iii]
In den sozialen Medien finden Sie eine Unzahl dieser Übungen kostenlos zum Anhören und Ausprobieren.
[i] l Huber, Linda vom SWR (2024): „Risiken der Achtsamkeit Krank durch Meditation?“ auf https://www.tagesschau.de/investigativ/swr/meditation-risiken-nebenwirkungen-100.html, zuletzt aufgerufen am 19.03.2024
[ii] https://meditationsnerd.de/gefuehrte-meditation/, zuletzt aufgerufen am 09.02.2024
[iii] Ebenda
Montag, 10. Juni 2024
Imaginationsübung "Der Baum"
Hier geht es darum, die Nähe zur Natur zu entdecken und sich mit der Stärke und Weisheit vieler alter Bäume zu identifizieren. Darüber hinaus erfahren Sie mit Hilfe der Imagination, wie es sich anfühlt, sich zu erden. Die Übungsanleitung finden Sie u.a. auf den CDs von Christa Diegelmann oder Luise Reddemann.[i]
In der Regel dürfte diese Imagination keine Probleme bereiten. Sollten Sie jedoch das Imaginieren an sich ablehnen, können Sie auch in den Wald gehen bzw. sich in der Realität mit Bäumen beschäftigen. Umarmen Sie einen Baum. Lehnen Sie sich an ihn und verbinden sich mit ihm. Fühlen Sie seine Rinde, die ihn schützt. Nehmen Sie seine Wurzeln wahr, mit denen er fest im Boden verankert ist. Und schauen Sie nach oben zur Krone, die in den Himmel hineinragt. Sehen Sie sich seine Blätter und seine Früchte an. Sie können den Baum auch malen, zeichnen oder fotografieren. So kommen Sie der Imaginationsübung sehr nahe. Alternativ können Sie auch eine klassische Grundübung aus dem Qi Gong ausprobieren.
Stehen
wie ein Baum
Gehen Sie in den hüftbreiten
Stand. Lassen Sie sich in den Knien leicht sinken. Heben Sie dann die Hände bis
auf Brusthöhe vor den Körper. Die Handflächen zeigen zum Brustkorb, die
Fingerspitzen zueinander. Lassen Sie die Schultern und die Ellbogen möglichst
locker. Auch Ihre Handgelenke und Finger sind entspannt. Der Kopf befindet sich
weit oben im Himmel. Ihre Füße sind tief unten in der Erde. Sie verbinden sich
mit dem Boden unter Ihnen. Ihr Körper steht aufrecht und entspannt.
Mir wurde durch die wiederholte Imagination bewusst, mit welcher Selbstverständlichkeit Bäume Nahrung zu sich nehmen. Sie werden genährt – durch die Sonnenstrahlen, den Boden und den Regen. Bäume sind Bestandteil der Jahreszeiten. Sie wachsen, bekommen Blätter, tragen Früchte und lassen sie wieder fallen. Damit nähren sie wiederum Tiere und Menschen. Sie sind einfach „nur da“ – egal, ob sie Früchte tragen oder keine. Sie müssen sich dafür nicht anstrengen. Ihre Wurzeln reichen bis tief in die Erde. Ihre Krone ragt weit nach oben. Damit verbinden Bäume Himmel und Erde. Für mich, die noch heute durch meine Frühberentung manchmal mit dem Gefühl kämpft, unnütz auf dieser Welt zu sein, war dies eine völlig neue Erkenntnis. Sie half mir bei meinen Bemühungen, mit dem Thema Selbstfürsorge weiterzukommen und Schritte zu gehen, die ich mir ansonsten womöglich nie zugestanden hätte. Zudem habe ich mich – angeregt durch diese Imaginationsübung – verstärkt mit Bäumen beschäftigt. Zum ersten Mal nach den langweiligen Biologiestunden meiner Schulzeit betrachtete ich die Bäume genauer. Ich sammelte ihre Blätter und umarmte ihre meist mächtigen Stämme. Auch die Wurzeln beobachtete ich genauer. Mir wurde dabei bewusst, wie viele Menschen mir in meinem Leben mehr „Wurzeln“ wünschten – und wie viele mich immer darauf ansprachen, dass ich nicht (mehr) verwurzelt und nicht genügend geerdet sei. Ich war scheinbar viel zu oft im Kopf und in der Luft unterwegs.
Später fing ich an, mir Bildbände über Bäume aus der Bibliothek auszuleihen und
die Unterschiede genauer zu studieren. Und ich lernte, Bäume in Worten zu
beschreiben. Mitpatientinnen malten die Bäume und zeichneten die Umrisse ab.
Manche bastelten ihren Baum aus Pappmaché oder anderen Materialien nach. Es beruhigte
sie. Daher bin ich davon überzeugt, dass allein die Beschäftigung mit Bäumen –
egal, ob in Imaginationen oder im realen Leben, für Entspannung sorgt und
erdet.
[i] Diegelmann, Christa (2007): Trauma und Krise bewältigen. Hör-CD mit Texten, Übungen und Gedichten zur Ressourcenstärkung; Reddemann, Luise (2003): Imagination als heilsame Kraft.
"Alles hat seine Zeit": Warum Abstand von Selbsthilfegruppen auch gut tun kann
Im letzten Jahr habe ich mich aus einem sehr starken Bauchgefühl heraus aus fast allen Selbsthilfegruppen abgemeldet, die mich über Jahre be...
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Gerade wurde in einem Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung über eine erste Studie zu Naltrexone bei Long Covid und ME/ CFS berichtet http...
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