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Montag, 26. Oktober 2026

Schwächen der ME/CFS- und Long Covid-Studien offenbaren sich auch in der Ergebnisüberprüfung


Es gibt eine neue kritische Übersicht über patientenberichtete Ergebnismaße/ Skalen bei ME/CFS und Long-COVID.

In dem Artikel wird argumentiert, dass in Studien wichtige Symptombereiche wie post-exertionales Unwohlsein, Dysautonomie und Symptome einer Mastzellaktivierung oft nicht berücksichtigt werden.

Einige der Autoren sind selbst Betroffene. Sie untersuchten 37 Studien zu ME/CFS und 68 Studien zu Long Covid, die sich auf biomedizinische Interventionen konzentrieren und insgesamt 397 Ergebnismaße verwendeten. Die meisten Studien stützten sich auf patientenberichtete Ergebnismaße (PROMs).

Das Fazit: 
Das Design der Long-COVID-Studien könnte verbessert werden, indem die wichtigen Symptomcluster wie post-externationales Unwohlsein, Dysautonomie und Mastzellaktivierung angesprochen werden, was bisher fast gänzlich fehlt.. 

Klinische Bewertungen, physikalische Tests und Biomarker können die Daten der von Patienten gemeldeten Ergebnismessungen ergänzen, wenn Sicherheit, Machbarkeit und Anwendbarkeit sorgfältig geprüft werden. Schließlich wird die Sicherheit des Eingriffs selten angemessen bewertet. 

Die Autoren empfehlen eine konzertierte Anstrengung, um die Patienteneingaben in alle Schritte der klinischen Studiengestaltung, -ausführung und -bewertung aufzunehmen.

ME/CFS Science erläutert die Übersicht und die Mängel der bisherigen Studien im Detail: 

Es ergibt wirklich Sinn, die Skalen einmal genauer anzuschauen (links sind hinterlegt): 

Für mehrere weit verbreitete PROMs wie das 
- Beck-Depressions-Inventar (BDI) oder die 
- Fatigue Severity Scale (FSS) 
liegen keine oder nur begrenzte veröffentlichte Belege für die Zuverlässigkeit, Validität oder Reaktionsfähigkeit bei Patienten mit ME/CFS vor.

Die Chalder-Fatigue-Skala ist das einzige ME-spezifische PROM, dessen inhaltliche Validität mittels kognitiver Befragung (dem aktuellen Standard) evaluiert wurde, und es schnitt dabei sehr schlecht ab. Fünf Items waren unklar, und die Patienten werden aufgefordert, ihre Fatigue anhand ihres Lebens vor der Erkrankung einzustufen.

Weitere Probleme bei den in ME/CFS-Studien verwendeten PROMs sind die mangelnde Einbeziehung der Patienten in die Wertentwicklung sowie die Nichtberücksichtigung erfolgreicher Pacing-Strategien. 

54 % der PROMs in klinischen Studien zu LC oder ME/CFS bewerten hauptsächlich die Fatigue. 
Im Gegensatz dazu werden PROMs, die speziell PEM bewerten, nur in 18 % der LC- und in 5 % der ME/CFS-Studien eingesetzt.

Der DSQ-PEM für PEM weist noch zahlreiche Probleme auf (z. B. berücksichtigt er keine Symptomverzögerung).

Bei Dysautonomien wird häufig der COMPASS-31 verwendet, der sich jedoch vorwiegend auf präsynkopale Symptome konzentriert. Eine einfache Alternative könnte darin bestehen, nach der Anzahl der Stunden im Stehen zu fragen, da dies den Schweregrad der orthostatischen Intoleranz möglicherweise besser widerspiegelt.

Im Hinblick auf Messgrößen zur psychischen Gesundheit wird das Problem angesprochen, dass häufig verwendete Messgrößen oft auch körperliche Symptome mit einbeziehen. Der PHQ-9 beispielsweise erfasst Müdigkeit, Appetit und Schlafstörungen und führt diese auf Depressionen und Angstzustände zurück.

Der Artikel erwähnt zudem, dass in kaum einer Studie Symptome einer Mastzellaktivierung wie Juckreiz und Hitzewallungen berücksichtigt werden.

Quelle: 
ME/CFS Science, Ergebnismaßnahmen in klinischen Langzeitstudien von COVID: eine Überprüfung

Übersetzt mit deepl.com 

Dienstag, 20. Oktober 2026

Hilfestellungen für den Pflege-Antrag


Mit meinem Aufruf, bei Bedarf unbedingt noch in diesem Jahr einen Pflege-Antrag zu stellen, möchte ich natürlich niemanden allein lassen. 

Daher hier noch einige hilfreiche Hinweise: 

a) Pflegestützpunkte und Pflegeberater 

unterstützen Euch beim Pflegeantrag. 

Pflegestützpunkte wurden von den Kranken- und Pflegekassen auf Initiative eines Bundeslandes oder einer Kommune eingerichtet und bieten Hilfesuchenden Beratung und Unterstützung. Dort arbeiten auch die PflegeberaterInnen der Pflegekassen. Über deren Rolle findest Du hier mehr Informationen. 

Über folgende Suchmaske könnt Ihr einen Pflegestützpunkt in Eurer Nähe finden: 
https://www.zqp.de/beratung-pflege/#/home

b) Pflegewaechter.de, assistenz4you.de

Es gibt auch die virtuelle Unterstützung, z.B. von pflegewaechter.de, über die ich bereits berichtete: 
Pflegewaechter.de bietet Unterstützung 

Dort findest Du auch einen Online-Test, mit dem Du vorab grob überprüfen kannst, ob Dir überhaupt ein bzw. welcher Pflegegrad zusteht: Pflegegrad-Test

Auch andere Anbieter wie assistenz4you.de helfen gern weiter. 
Und auch die Initative sozialhummel bietet eine monatliche Sprechstunde an. 

c) Sozialverbände 

Grundsätzlich unterstützen natürlich auch der VdK oder SoVDK 
(wobei ich zugebenermaßen mit dem VdK Hamburg keine wirklich guten Erfahrungen auf anderen Gebieten hatte) 

d) Pflegetagebuch 

Zu diesem Thema schrieb ich bereits einen Beitrag: Wie führe ich ein Pflegetagebuch?, der nach wie vor aktuell ist. 

Vorlagen für ein Pflegetagebuch, das ganz klar auf ME/CFS ausgerichtet ist und damit eine unfassbar wertvolle Hilfestellung bietet, findest Du über folgenden link: https://mecfs-help.de/

e) Pflegeantrag 

Auf https://mecfs-help.de/ findest Du ein Formular, mit dessen Hilfe Du den Pflegeantrag stellen kannst. Leichter geht es kaum!  

f) Unterlagen, die beigelegt werden sollten 

  • Medizinische Gutachten und Berichte.
  • Bestätigungen über Krankenhausaufenthalte oder Rehabilitationsmaßnahmen.
  • Nachweise über durchgeführte Pflegeleistungen.

  • Je ausführlicher, je mehr, desto besser! 

    Mit diesem Beitrag hast Du nun alle notwendigen Informationen an der Hand, um den Antrag vorzubereiten. Viel Glück!! 

    Was bei dem Gutachtertermin zu beachten ist, werde ich demnächst erläutern! 

    Die Pflegereform naht: Was bedeutet das für Dich?



    Sehr viele Menschen, die an ME/CFS oder Post Covid etc. erkrankt sind, sind pflegebedürftig. Sie alle werden durch die Pflegereform beeinflusst werden. Im welchem Ausmaß Du betroffen bist, hängt von Deinem aktuellen Status ab:

    1) Du hast bereits einen Pflegegrad

    Zuallererst:
    Es gilt Bestandsschutz. Den bereits genehmigten Pflegegrad kann Dir aufgrund der Reform niemand aberkennen.

    a) Pflegegrad 1:
    Der Gesetzentwurf sieht vor, den monatlichen Entlastungsbetrag von bis zu 131 Euro zu streichen. Das betrifft v.a. diejenigen, die mit dem Geld bislang eine anerkannte Alltagshilfe, Betreuung oder Unterstützung im Haushalt finanzieren. Auch bei bereits anerkanntem Pflegegrad 1 soll die Erstattung wegfallen. Die Einstufung bleibt jedoch bestehen.

    Wichtig!
    Im Heim gilt eine andere Regel: Wer dort im Jahr 2026 den Zuschuss von 131 Euro bezogen hat, soll ihn behalten. Bewohner mit Pflegegrad 1, die erst ab 2027 einziehen, bekämen ihn nicht mehr.

    Vorgesehen ist, statt des Entlastungsbetrags bei Pflegegrad 1 eine fachliche Pflegebegleitung als Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Der Haken an der Sache: Dieser Anspruch auf eine ständige Pflegebegleitung beginnt erst am 1. Januar 2029, also zwei Jahre nach dem geplanten Wegfall der 131 Euro.

    b) Pflegegrad 2 bis 5:
    Wer Pflegegrad 2 bis 5 bezieht, soll bei einzelnen Leistungen mehr bekommen. 

    Z.B.
    - anerkannte Alltagshilfen: 175 statt bisher 131 Euro im Monat, bei Pflegebedürftigen unter 25 Jahren bis zu 300 Euro.
    - Pflegegeld bei Pflegegrad 2: 380 Euro statt bisher 347 Euro monatlich.

    Es gibt jedoch auch hier einen Haken:
    Aus dem höheren Pflegegeld müssen künftig auch Pflegehilfsmittel zum Verbrauch oder eine privat organisierte Vertretung bezahlt werden, für die es heute eigene Töpfe gibt.

    c) Du möchtest bzw. musst einen Verschlechterungsantrag stellen:
    Dann mach‘ das unbedingt noch in diesem Jahr. Denn der neue Gesetzesentwurf, der ab 1. Januar 2027 gelten wird, wird den
    Zugang zu einem Pflegegrad grundsätzlich erschweren.

    Ganz konkret heißt das:
    Pflegegrad 1 soll erst ab 15 statt 12,5 Punkten beginnen,
    Pflegegrad 2 ab 30 statt 27 und
    Pflegegrad 3 ab 50 statt 47,5 Punkten.

    D.h. Du könntest im nächsten Jahr niedriger eingestuft werden. Zudem sollen Pflegegrade häufiger befristet werden, wenn eine Besserung möglich erscheint. Das wiederum entscheidet der Gutachter.
     

    2) Du hast noch keinen Pflegegrad, benötigst jedoch dringend einen

    Auch dann gilt:
    Bitte stell‘ den Pflegeantrag unbedingt noch in diesem Jahr. Denn der erschwerte Zugang zur Pflege (und die Erhöhung der notwendigen Punktzahl für die einzelnen Pflegegrad) gilt auch für Neuanträge.

    D.h. Du könntest im nächsten Jahr niedriger eingestuft werden oder keinen Pflegegrad erhalten, obwohl die Punkte in diesem Jahr ausgereicht hätten. Auch die mögliche Befristung gilt. 

    Darüber hinaus soll von Januar bis Ende April 2027 die übliche Bearbeitungsfrist von 25 Arbeitstagen ausgesetzt werden (für besonders dringende Fälle gelten Ausnahmen, wie auch für die Sonderfristen).

    Wie man einen Pflegeantrag stellt und was dabei zu berücksichtigen ist, werde ich in einem anderen Beitrag erläutern.

    Quelle: 
    https://www.buergergeld.org/news/pflegereform-beschlossen-was-sich-aendert-und-wen-es-trifft/, https://www.buerger-geld.org/news/pflege/131-euro-entlastungsbetrag-bei-pflegegrad-1-soll-2027-entfallen-gilt-das-auch-fuer-altfaelle/ 

    Dienstag, 29. September 2026

    Podcast zur Gesundheitsreform von fasynation

     



    Viele ME/CFS- und MCAS-Betroffene haben - wie auch Otto Normalverbraucher - Angst vor der kommenden Gesundheitsreform. Andere sind wiederum eher fatalistisch, da sie sowieso schon sehr viel selbst bezahlen müssen und zu einem Großteil von Privatärzten behandelt werden, weil die Kassenmediziner sie gebührend abwimmeln.

    Johannes von fasynation hat einen ziemlich guten und sachlichen Podcast dazu veröffentlicht, der auch verschriftlich ist. Dort führt er auf, worauf sich ME/CFSler und Post Covidler konzentrieren sollten und wie sie vorsorgen können. 

    Denn Angst ist kein guter Ratgeber. Das wissen wir alle.


    Danke, lieber Johannes

    Freitag, 25. September 2026

    Gutachten bei EM-Rente, Reha-Unfähigkeit, Schwerbehinderung und Pflege


    Es wird Zeit, dieses Thema wieder aus der Versenkung zu holen, nachdem klar wird, dass so viele Betroffene ihre eigenen Rechte garnicht kennen. 
     

    Welche Rechte solltest Du bereits im Vorfeld zu beachten?
    Wie kannst Du Dich am besten vorbereiten?

    a. Auswahl von drei GutachterInnen
    Die Rentenversicherung muss Dir drei GutachterInnen vorschlagen. Wenn Du nur eine GutachterIn genannt bekommst, bestehst Du auf eine Auswahl von drei GutachterInnen (juristisch beziehst Du Dich bitte auf 14 SGB IX, Absatz 5, nach dem der Leistungsträger drei möglichst wohnortnahe, geeignete Sachverständige vorschlagen muss).[i] Lass Dir bei der Forderung notfalls von einer Beratungsstelle oder einem Sozialverband helfen. Wenn Du eine Auswahl von drei GutachterInnen erhalten hast, fragst Du am besten Deine ÄrztInnen und TherapeutIn, inwieweit sie diese bereits kennen bzw. welche Erfahrungen sie mit ihnen gemacht haben. Wähle dann eine davon aus und melde deren Namen an die Rentenversicherung zurück.

    b. GutachterIn mit fundierten Kenntnissen über Ihre Erkrankungen
    Inzwischen sieht die Rechtslage vor, dass Betroffene eine andere GutachterIn beantragen können, wenn klar ist, dass die vorgeschlagenen GutachterInnen keine spezifischen Kenntnisse oder Erfahrungen besitzen und somit auch keine Entscheidung über eine notwendige Therapie in Bezug auf ME/ CFS, MCAS und Co. fällen können.

    c. Weibliche GutachterIn
    Frauen können eine weibliche GutachterIn beantragen bzw. vorschlagen (§§ 1, 9 SGB IX), wenn die Auswahl nur aus männlichen Gutachtern besteht.[ii]

    d. Begleitperson möglich
    Da Gutachter-Termine oft sehr anstrengend sind, solltest Du eine Vertrauensperson bitten, Dich zu begleiten. Lasse Dir sich diesbezüglich ein Schreiben von Deiner Ärztin oder TherapeutIn ausstellen, in dem die medizinische bzw. therapeutische Notwendigkeit der Begleitung betont wird. Kläre die GutachterIn telefonisch noch vor dem Termin darüber auf.
    Sofern die GutachterIn die Anwesenheit der BegleiterIn während der Begutachtung verweigert, lasse Dir sich ruhig die Gründe nennen. Weise zudem auf den §13 IV SGB X hin. Erläutere Deine Bedürfnisse. Vielleicht lässt sich eine – für alle Beteiligten akzeptable – Lösung finden.
    Grundsätzlich lehnen es jedoch viele GutachterInnen ab, dass die Begleitperson der Untersuchung beiwohnt. Begründet wird dies mit der Aussage, dass die Anwesenheit einer dritten Person die Begutachtung störe. Deine Begleitperson kann jedoch im Wartezimmer auf Dich warten, was Dir schon ein wenig Sicherheit geben kann. Solltest Du während der Untersuchung das Gefühl haben, zu destabilisieren, kannst Du dann immer noch um die Anwesenheit Deiner Vertrauensperson bitten. Manchmal lenkt ein/e GutachterIn dann ein. Deine Vertrauensperson kann darüber hinaus als ZeugIn dienen und Dich später nach Hause begleiten.

    e. Schreibe vorher ein Pflegetagebuch 
    (siehe Wie führe ich ein Pflege-Tagebuch?) 
    Liste Deine Einschränkungen auf, sammel Deine Befunde und Atteste.

    g. Erinnerungsprotokoll
    Schreibe später zuhause ein Erinnerungsprotokoll. Wenn die Vertrauensperson während der Begutachtung dabei war, bitte diese um ihre Unterschrift. Sollte die Begutachtung sehr negativ verlaufen sein, schick' das Erinnerungsprotokoll so bald wie möglich an die Rentenversicherung mit der Bitte um Kenntnisnahme. Es kann später noch sehr entscheidend sein.

    [i] Zechert, Christian (2015): Eine Begutachtung steht an – welche Rechte habe ich?, in: Psychosoziale Umschau 012015 auf: https://psychiatrie-verlag.de/.../Begutachtung_Welche..., zuletzt aufgerufen am 13.09.21

    Donnerstag, 12. Dezember 2024

    Artikel über ME/CFS im Nachschlagewerk für ärztliche Gutachter verfügbar



    Seit Kurzem finden ärztliche Gutachter in der Online-Ausgabe des Nachschlagewerkes "Die Ärztliche Begutachtung" einen Artikel über ME/CFS. Gedruckt wird die Neuauflage des Nachschlagewerkes voraussichtlich ab März 2025 verfügbar sein.

    Der Artikel wurde von einem Team um Prof. Dr. Scheibenbogen und Prof. Dr. Behrens verfasst. In diesem fassen sie nicht nur die wichtigsten Informationen zusammen, sondern verweisen auch auf weitere Quellen und Konsensuspapiere.

    Daher ist es ratsam, diesen Artikel zu einem Gutachtertermin mitzunehmen bzw. auch bei notwendigen Entscheidungen an Ihre Kranken- oder Pflegekasse zu senden.

    Sie finden den gesamten Artikel hier:

    Die Ärztliche Begutachtung: Info Chronisches Fatigue Syndrom ME/CFS und Komorbiditäten – Begutachtung

    PS:
    In Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit auf Basis der Bell-Skala empfinde ich die Einschätzung der Autoren wiederum recht sportlich bzw. idealistisch. Der Arbeitgeber, der in der Lage ist, einem Erkrankten eine Tätigkeit bzw. einen Arbeitsplatz mit all die genannten Anforderungen bereitzustellen, muss m.E. erst noch "gebacken" werden. Das ist in der heutigen Arbeitswelt einfach völlig unrealistisch. V.a. Klein- und Mittelunternehmen können sich so einen Arbeitnehmer mit den Ansprüchen und Einschränkungen garnicht mehr leisten.


    Donnerstag, 5. Dezember 2024

    Aufruf!! Nutzen Sie JETZT die Hotline für Long-Covid, MECFS und Post Vac


    WICHTIG!!!!


    Ihre Mithilfe ist gefragt

    Im Juli 2024 hat das Bundesland Nordrhein-Westfalen die Hotline für Long-Covid, MECFS und Post Vac ins Leben gerufen. Sie bietet BUNDESWEIT kostenlose Beratung zu sozialrechtlichen Themen wie Rente, Pflege oder Leistungen der Krankenversicherung.

    Für viele Betroffenen und ihre Angehörigen bietet diese Hotline damit eine unschätzbare Hilfe - vor allem für diejenigen, die sich durch den undurchsichtigen Paragraphendschungel kämpfen müssen und dabei fachliche und rechtliche Unterstützung gebrauchen können.

    Nun soll diese Hotline jedoch bereits zum Ende des Jahres wieder abgestellt werden. Begründet wird diese Entscheidung mit einer ungenügenden Nutzung.

    Dies liegt jedoch mit Sicherheit daran, dass zu wenig dafür geworben wurde. Auch ich selbst habe erst vor einer Woche davon Kenntnis genommen, obwohl ich sehr vernetzt bin und viel recherchiere! Darüber hinaus gingen viele Erkrankte davon aus, dass dieses Angebot nur für Bewohner von NRW gilt. Danke daher an Martina, die mich und andere über diese unverständliche Entscheidung informierte.

    Wer also einen Beratungsbedarf hat oder gerade mit Antragstellungen beschäftigt ist, der möge doch bitte JETZT dort anrufen, damit die Initiatoren sehen, dass diese Unterstützung benötigt wird!

    *Telefon: 0800 2381000*
    Mo-Fr 10-14 Uhr

    Bitte teilen Sie diesen Post in Ihren Gruppen und Social Media Kanälen, damit möglichst viele Betroffene von dem Angebot erfahren und das Ende der Hotline verhindert wird!



    Dienstag, 29. Oktober 2024

    Der Schwergrad-Rechner für ME/CFS und Long/ Post Covid aus der Schweiz: FUNCAP


    In der Schweiz wurde von Forschern ein Fragebogen inkl. Rechner entwickelt, um die funktionelle Leistungsfähigkeit bei ME und Long Covid feststellen zu können. Laut der schweizerischen Gesellschaft für ME/CFS eignet sich dieser Rechner damit u.a. für die klinische Diagnostik sowie zur Nachverfolgung des Krankheitsverlaufs. 

    Sie finden den Fragebogen unter dem link https://sgme.ch/funcap.

    Er enthält
    - in der Langversion 55 und
    - in der Kurzversion aus 27 Fragen.

    Die lange Version dient zur erstmaligen Diagnose des Schweregrads. Die Kurzversion dient zur regelmässigen Verlaufskontrolle.

    Ich selbst (in Deutschland moderat betroffen bei Bell 50 bis 60) habe diesen Fragebogen ausgefüllt und war sehr überrascht, da ich hier sehr viel höher eingeschätzt werden und als mild betroffen gelte.

    Nachdem ich mir den Fragebogen nochmals genauer angeschaut habe, wurde mir aber auch klar, woran das liegt:

    - Der Fragebogen ist unheimlich detailliert in den niedrigeren Bell-Graden. Je höher jedoch der Bell-Grad, desto größer die Referenzbereiche und desto weniger Fragen.


    - Z.B. wird nach 2 h Schreibtischarbeit gefragt, dann sofort nach einem Tag. Es gibt keine Zwischenziele, also keine Fragen, ob man 3 h oder 4 h am Schreibtisch schafft. Auch wird danach gefragt, ob man 1 km gehen kann oder 15 min im Auto mitfahren. Aber es wird nicht danach gefragt, ob man länger gehen kann, längere Autofahrten schafft etc. etc.

    - D.h. wer sich weiter unten befindet, erhält ein sehr klares Bild, weil dort noch sehr viele Fragen gestellt werden. Je weiter oben man sich befindet, desto schwieriger wird es. Damit wird er für Menschen, denen es etwas besser geht, unscharf und unklar.

    - Darüber hinaus geht der Fragebogen bei ca. 50 Prozent der Leistungsfähigkeit von "mild betroffen" aus. Bei einem vergleichbaren Bell-Grad befindet man sich hier sehr viel weiter unten, nämlich bei Bell 30.

    - Für Rentenanträge und Co. ist er m.E. auch nur bedingt geeignet.
    Denn da ist in der Tat eine noch bestehende Arbeitsfähigkeit von 3 h am Tag entscheidend, die noch nicht einmal abgefragt wird etc.

    - Da zudem nicht nach Symptomen gefragt wird, was in den internationalen Klassifizierungen nach Bell oder der Nice-Leitlinie der Fall ist, hat der Fragebogen einige Schwächen. Trotzdem hilft er sicherlich vielen Betroffenen, die schwerst oder schwer betroffen sind.

    Dienstag, 2. Juli 2024

    Vor den Trümmern meiner Existenz



    In einem Beitrag habe ich über die Anfänge meiner ME/CFS-Erkrankung bereits berichtet: 
    Wie bei mir die ME/CFS anfing: Die Odyssee beginnt!


    Hier folgt die Fortsetzung:

    18 Monate nach unserer Hochzeit - und dem Gefühl, wieder geheilt zu sein - sollte ich vor einem Desaster stehen, da ich einige Monate nach der Hochzeit starke Muskelbeschwerden entwickelte, die als Fibromyalgie diagnostiziert wurden. Einige Monate später kamen die ersten heftigen Krampfanfälle hinzu, deren Häufigkeit und Dauer stark zunehmen sollten. Diese Anfälle bereiteten mir unfassbare Schmerzen, nahmen mir jegliche Kontrolle und ließen mich zutiefst beschämt zurück. Nicht nur einmal landete ich damit in der Notaufnahme, wurde jedoch am nächsten Morgen wieder entlassen. Diagnostiziert wurden diese Anfälle damals als dissoziative Krampfanfälle.[1] Trotzdem arbeitete ich weiter, auch wenn ich mich nach einem Jahr entschied, nur noch eine Halbtagsstelle wahrzunehmen. Mein neuer Arbeitgeber hatte diesbezüglich zum Glück sehr viel Verständnis. Ich hoffte, dass sich mein Gesundheitszustand dadurch wieder verbessern könnte. Aber es funktionierte nicht mehr. Ich war bereits zu geschwächt. Nach weiteren sechs Monaten musste ich mich wieder krankschreiben lassen. Damals war ich an einem Tiefpunkt angelangt und wusste einfach nicht mehr weiter. Es gab einige Momente, in denen ich darüber nachdachte, aufzugeben. Mein so unerschütterlicher Kampfgeist, der mich über Jahrzehnte aufrecht gehalten hatte, war erloschen. Ohne meinen Mann hätte ich meine Gedanken wahrscheinlich in die Tat umgesetzt.

    Aber dank ihm und meiner Behandler bewarb ich mich bei einer Traumafachklinik, die sich auch mit dissoziativen Krampfanfällen auskannte. Obwohl diese nach einem Vorgespräch bereit war, mich aufzunehmen, stellte sich die Krankenkasse quer. Nur mit viel Geduld und mit Hilfe meiner Behandler sowie einem Anwalt schaffte ich es, die Genehmigung für einen Aufenthalt zu bekommen. Wie viel Kraft mich das alles kostete und wie instabil ich seelisch und körperlich war, merkte ich spätestens in der Klinik selbst. Aber diese Klinik hat mir im Nachhinein das Leben gerettet. 2007 verbrachte ich dort zwölf Wochen. Zwölf Wochen, in denen ich lernte, mit all meinen Symptomen umzugehen, mich selbst zu stabilisieren und erste Selbstfürsorgemaßnahmen umzusetzen. Darüber hinaus lernte ich neue Qi Gong-Übungen kennen und lieben. Vor allem aber wurde mir klar, dass ich mein Leben grundlegend ändern muss, wenn ich weiterleben möchte. Noch von der Klinik aus hatte ich einen Termin bei der Rentenversicherung, wo ich meinen Rentenantrag einreichte. Begründet wurde dieser mit meinen schweren Traumafolgestörungen. Die körperlichen Probleme wurden als rein psychosomatisch gedeutet, was ich damals selbst glaubte. Mein Mann und ich entschieden uns trotzdem, in eine ruhigere Wohngegend und v.a. in eine Erdgeschosswohnung umzuziehen, damit ich keine Treppen mehr steigen musste. Die Diagnose "ME/CFS" war jedoch nach wie vor kein Thema!

    Der Kampf um die Rente sollte sich jedoch nochmals zuspitzen, nachdem ein Gutachter mich wieder eine stationäre Reha schicken wollte, obwohl alle meine Behandler dafür plädierten, dass ich in meinem Zustand nicht mehr rehatauglich sei. Auch die Krankenkasse bestand auf eine nochmalige Reha. Der Gutachtertermin verlief daher katastrophal. U.a. wurde ich mit einem Krampfanfall allein im Behandlungszimmer liegen gelassen. Zum Glück hatte ich damals auf eine Begleiterin bestanden, so dass ich eine Zeugin hatte. Zusammen erstellten wir ein Gedächtnisprotokoll und schickten sofort an die Rentenversicherung. Der VdK war mir in diesem Fall jedoch keine große Hilfe. Wieder musste ich von meiner Seite einen Anwalt einschalten. Dank ihm konnte diese Angelegenheit zu meinen Gunsten entschieden werden. Die Rentenversicherung übernahm damals sogar die Kosten für die anwaltliche Beratung, da sie den Fehler einsah. Zudem bewilligte sie mir eine befristete EM-Rente für drei Jahre. Einerseits begrüßte ich die Entscheidung mit Erleichterung. Andererseits brauchte ich sehr lange, um mit diesem Schritt emotional klarzukommen und diesen auch gutheißen zu können.

    Mein Leben als EM-Renterin (2008 bis 2018)


    mein umfeld

    Seit Ende 2007 war ich nun rückwirkend berentet und „vogelfrei“, wie ich es gern bezeichnete. Es war ein sehr merkwürdiges Gefühl, plötzlich ohne jegliche Verpflichtungen in den Tag hineinzuleben. Anfangs fiel mir das sehr schwer, da ich sehr gern gearbeitet habe. Schwierig wurde es teilweise auch im Kontakt mit Bekannten, da ich auf die Frage „Was machst Du gerade?“ eine Antwort gab, mit der Leute mit Mitte 30 in der Regel kaum umgehen konnten. Parties, auf denen ich mich nicht mehr wohlfühlte, erinnerten mich an einen Spießrutenlauf. In dieser Zeit wurde auch deutlich, auf wen ich in meinem Bekannten- und Freundeskreis wirklich zählen konnte – und auf wen nicht. Hier sollte ich mich in einigen sowohl in die positive als auch in die negative Richtung getäuscht haben. Emotional war diese Phase allein dadurch schon eine Berg- und Talfahrt. Auch familiär wurde es sehr schwierig, da ich aufgrund der Trauma-Erinnerungen zum Schwarzen Schaf wurde, das nicht mehr bereit war, alte Geheimnisse zu verschweigen. Ich stieß damit weniger auf Verständnis, als ich mir erhofft hatte. Die Familienmitglieder reagierten zum Teil sehr ungläubig, zum Teil jedoch auch mit Vorwürfen. Mit meiner Erkrankung konnten die wenigsten umgehen. Daher musste ich mich schützen. Mir blieb bei einigen nur der Schritt zur Kontaktpause bzw. zum endgültigen Kontaktabbruch. Dies alles war für mich emotional sehr belastend, da ich meine Familie trotz allem über alles liebe. Professionelle Unterstützung hatte ich in der Zeit von meinem Hausarzt, meiner Therapeutin sowie meinem Seelsorger.

    Durch unseren Umzug in einen anderen, sehr viel ruhigeren, Stadtteil konnte ich jedoch neu anfangen. Wir erfüllten uns zudem einen großen Wunsch, indem wir einen Hund aus dem Tierschutz übernahmen. Dieser gab mir sehr viel Halt und Struktur, auch wenn er anfangs alles andere als leicht war und eine Resozialisierung benötigte. Aber durch den Hund und die vielen langen Spaziergänge baute ich mir auch einen neuen Bekanntenkreis auf, der mich in erster Linie als „Frauchen von Coco“ sah – und nicht nachfragte, was ich beruflich mache. Dies entlastete sehr. Darüber hinaus hatte ich weiterhin meine Freunde, die mir zur Seite standen und mich auch nach dem Rentenbeginn nicht im Stich ließen. Das war für mich enorm wichtig. Am allerwichtigsten war jedoch mein Mann, der mich in all meinen Vorhaben unterstützte und mit darauf achtete, dass ich meine neuen Grenzen einhielt. So vereinbarten wir z.B., dass wir bei Treffen mit Freunden nach 2,5 Stunden langsam Schluss machen. Auch wenn mir damals das Adrenalin oft noch vorgaukelte, dass ich längere Termine schaffen kann, machte mein Mann jedes Mal die notwendige Ansage.


    traumatherapie und selbstfürsorge

    Parallel führte ich meine intensive Traumatherapie fort. Anfangs ging es hauptsächlich um die Selbstfürsorge und die weitere Stabilisierung. Manche Maßnahmen fielen mir jedoch schwerer, als ich dachte. Denn in meinem Innersten gab es noch viele Widerstände, mich mehr zu „verwöhnen“. Aber Schritt für Schritt schaffte ich es, ein Gleichgewicht in den Alltag zu bekommen. Trotzdem hatte ich nach wie vor Krampfanfälle, die vor allem dann auftraten, wenn ich mich überfordert oder zu wenig gegessen hatte. Die Traumatherapeutinnen waren überzeugt, dass mein „Inneres Kind“ durch die Krampfanfälle spricht. Daher suchte ich in der Traumatherapie weiter nach den emotionalen Triggern, anstatt mir deutlich zu machen, dass v.a. die körperliche Überforderung verantwortlich für meine körperlichen Ausnahmezustände sind.

    2009 war ich nochmals für neun Wochen in der Traumafachklinik, in denen ich mich mit meinen inneren Anteilen beschäftigt habe. U.a. schaffte ich es, auch die boykottierenden Anteile zu einer Mithilfe bei meinen Selbstfürsorgemaßnahmen zu überzeugen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass ich einerseits emotional sehr viel stabiler war als noch während des ersten Aufenthalts. Anderseits zeigte sich eine deutlich gesteigerte körperliche Erschöpfung. Z.B. ertrug ich es nicht mehr lange, mit den anderen Patienten im Gemeinschaftsraum zu sitzen. Sie waren mir viel zu laut. Gleichzeitig musste ich mehr Therapien absagen, da die Schwäche und die Krampfanfälle mir einen Strich durch die Rechnung machten. Daher zog ich mich sehr zurück, was nicht ungesehen blieb. Aber auch hier wurde von keinem einzigen Behandler daran gedacht, dass es eventuell auch eine körperliche Ursache für die Erschöpfung geben könnte.

    Wieder zuhause führte ich weiterhin meinen kleinen, feinen Alltag fort. Ich lebte mit meinem Mann ein ruhiges Leben und machte meine Spaziergänge mit dem Hund. Um etwas zu dieser Gesellschaft beitragen und helfen zu können, gründete ich mit einem ehemaligen Kollegen einen Blog, in dem ich zu Sozialthemen geschrieben und Menschen beraten habe. Da ich meine Selbstfürsorgemaßnahmen weiter stark ausbaute, ging es mir auch körperlich etwas besser. In dem Zuge verlor ich jedoch nochmals zwei sehr gute Freunde, weil diese einfach nicht verstehen konnten, warum ich nicht mehr stundenlang telefonieren konnte. Sie warfen mir Egoismus vor, obwohl ich mehrfache Versuche machte, zu erläutern, was mich an Telefonaten so anstrengt. Beide Vorfälle beschäftigten mich sehr. Dank meiner Therapie konnte ich jedoch darüber reden und diese Enttäuschung verarbeiten.

    Emotional ging es mir damit immer besser. Aber körperlich kamen immer mehr unerklärliche Symptome. Vor allem ein inneres Vibrieren in meinem Kopf war für mich teilweise unerträglich. Eine Erklärung wurde jedoch nicht gefunden. 2010 wurde meine EM-Rente um weitere drei Jahre verlängert, bis sie 2013 auf Lebenszeit bewilligt wurde. Der letzte Gutachter attestierte mir eine Neurasthenie[2].


    überforderung rächt sich

    Die Zeit verging. Ich hatte mich an das kleine, feine Leben und meine Erkrankungen gewöhnt. Da unser erster Hund älter wurde, wurden unsere Spaziergänge kürzer und gemütlicher. Dies führte dazu, dass ich wieder etwas mehr Kraft hatte und einen wöchentlichen Qi Gong-Kurs beginnen konnte, was ich sehr genoss. Darüber hinaus traute ich mich, vorerst mit der Traumatherapie aufzuhören und dafür ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe anzufangen. Anfangs tat mir das sehr gut. Ich freute mich vor allen Dingen darüber, neue Menschen kennenzulernen und ein wenig helfen zu können. Mit der Zeit nahm ich jedoch immer mehr Aufgaben an. Parallel pflegte ich unseren alten Hund, der nachts immer öfters rausmusste. Im Nachhinein hätte ich damals das Ehrenamt stoppen müssen, um mir tagsüber genügend Ruhe zu gönnen. Da ich jedoch kurz vorher einen Bürgerpreis für mein Engagement erhielt, traute ich mich nicht, damit aufzuhören. Es fühlte sich an wie Verrat gegenüber den Schutzbefohlenen, die ich sehr liebgewonnen hatte. Die Quittung bekam ich, nachdem unser erster Hund starb und wir uns eine neue Hündin aus dem Tierschutz holten, die jedoch sehr früh schwerkrank wurde. Wieder pflegte ich ein Tier, wieder schlief ich kaum. Die Anzahl meiner Migräne-Attacken nahm zu. Selbst eine Botox-Therapie, die von einer Neurologin angeboten wurden, half nicht mehr. Mir war klar, dass ich die Flüchtlingshilfe wieder aufgeben muss. Mein Pflichtbewusstsein war jedoch nach wie vor sehr stark. Daher entschied ich mich, wieder eine Verhaltenstherapie zu machen, um mit emotionaler Unterstützung den Absprung aus der Flüchtlingshilfe zu schaffen.

     

    Krise und Verwirrung (2019)


    Leider verselbständigte sich dann jedoch der Prozess. Ende 2018 hatte ich starke Schmerzen in der rechten Leiste, die mich zweimal in die Notaufnahme führten. Anfang 2019 wurde ich operiert, da die Ärzte der Meinung waren, dass ich eine Eileiter-Zyste habe. Im Nachhinein war es eine Fehldiagnose, die mich einen Eileiter kostete. Sie hatten den bevorstehenden Eisprung im CT mit einer Zyste verwechselt.

    Bereits nach der Narkose wachte ich zitternd und zähneklappernd auf. Laut des Pflegepersonals im Aufwachraum litt ich unter einem postoperativen Shivering Syndrom. Später entwickelte ich noch eine starke Migräne-Attacke. Jedoch war kein Arzt zu sprechen. Die Krankenpfleger durften mir nichts geben. Mein Gepäck, in dem sich meine Bedarfsmedikation befand, war nicht mehr auffindbar. Das Zimmer, in dem ich lag, war zudem verdreckt. Es war ein Fiasko – und ich war heilfroh, am nächsten Tag entlassen zu werden. 

    Meine starken Leistenschmerzen blieben mir jedoch erhalten. Mit der Zeit entwickelte ich Gehprobleme. Während ich anfangs zeitweise humpelte, brauchte ich einige Wochen später Gehstützen. Gleichzeitig kamen ich große Schmerzen im Sprunggelenk und in der Wade hinzu. Taubheitsgefühle im rechten Fuß traten sporadisch auf. Zudem konnte ich aufgrund der starken Schmerzen in der Leiste kaum mehr aufrecht auf einem Stuhl sitzen. Die veranlassten MRTs waren jedoch mehr oder weniger ohne Befund. Ich selbst geriet zunehmend in Panik und bemühte mich um Termine bei Fachärzten. Im Krankenhaus spritzte man mir örtliche Betäubungsmittel in die Nervenbahnen der Leiste, was jedoch nur zeitweise half. Eine Orthopädin gab mir Opiat-Infusionen. Bei einem Neurologen wurde ein S1-Syndrom festgestellt. Zudem zeigte die Nervenleitmessung an der Wade kein Signal auf. Aber keiner wusste, was wirklich los war.  Bei einem Leistenexperten stellte sich dann heraus, dass ich unter einer Reizung der inguinalen Nerven leide. Aber auch dieser konnte mir nicht sagen, was dagegen zu tun ist. Ich wiederum war bettlägerig und am Ende meiner Kraft. Im Nachhinein hatte ich durch die OP einen Riesencrash erlitten.


    desaströse stationäre schmerztherapie


    Daher entschloss sich mein Hausarzt, mich ins Krankenhaus einzuweisen, wo ich dann auf der Neurologie-Station und in der stationären Schmerztherapie landete. Diese war im Nachhinein ein Desaster. Anfangs hoffe ich noch darauf, dass eine weiterführende Diagnostik betrieben wird, was jedoch Fehlanzeige war. Stattdessen stellten die dortigen Ärzte die Diagnosen der niedergelassenen Ärzte in Frage und führten die Schmerzen auf die OP und somit auf das Schmerzgedächtnis zurück. Damit vernachlässigten sie völlig, dass ich bereits vorher schon Leistenschmerzen hatte, wegen der ich ja operiert wurde. Sie warfen mir zudem vor, dass ich nicht mit Schmerzen umgehen könne und zu viele Schmerzmedikamente einnehme, was mich fassungslos machte. Denn ich kannte seit Jahrzehnten keinen Tag mehr ohne Schmerzen und hielt oft genug ohne Medikamente durch. Immerhin wurde mir Gabapentin verordnet, das ich während des Aufenthalts einschlich. Meine Gehunfähigkeit wurde wiederum als somatoforme Störung diagnostiziert, was dazu führte, dass ich angehalten wurde, trotz Gehstützen Treppen zu steigen, anstatt den Fahrstuhl zu nutzen. Zudem wurde mir erklärt, ich solle weiter Traumatherapie machen und von weiteren Arztbesuchen absehen. Meine Selbstfürsorgemaßnahmen, die ich mühsam über Jahre erlernte und eingeschlichen haben, wurden ad absurdum geführt. Auch wurde mein Körpergefühl in Frage gestellt. Leider war ich damals noch nicht stark genug, um Widerspruch zu leisten, sondern rutschte wieder in die nette Frau, die allen gefallen will. In der stationären Schmerztherapie überforderte ich mich daher ständig, was zu mehreren Crashs und Krampfanfällen an den Wochenenden führte. Dieser Umstand wurde im Entlassungsbericht jedoch noch nicht einmal erwähnt. Nach den zwei Wochen Aufenthalt war ich emotional und körperlich völlig am Boden.


    Aber mir war eines klar:
    Meine körperlichen Probleme hatten keine psychische Ursache!


    Fortsetzung folgt: Die Suche nach Klarheit – eine Odyssee (2019 bis 2023)





    [1] Heute weiß ich, dass die Krampfanfälle u.a. auf die regelmäßigen Crashs, die Mastzellaktivierung sowie auf die Nebenwirkung eines Antidepressivums zurückzuführen waren. Seitdem ich das Antidepressivum ausgeschlichen habe, hatte ich keinen einzigen Krampfanfall mehr.

    [2] Als Neurasthenie bezeichnet man eine vermehrte geistige Ermüdbarkeit bzw. Erschöpfung nach geringer körperlicher Anstrengung. Heutzutage wird diese Diagnose kaum mehr gestellt.

    Montag, 10. Juni 2024

    Rechtsberatung bei ME/CFS, Long Covid und MCAS

     


    Viele Betroffene müssen sich nach einer gewissen Zeit der Erkrankung mit der Frage beschäftigen, ob sie überhaupt noch arbeiten können. Für die meisten fällt die Antwort negativ aus.

    Die Beantragung der EM-Rente ist daher ein nachvollziehbarer Schritt. Da ME/CFS und MCAS jedoch noch unbekannte Erkrankungen sind, ist es nach wie vor nicht leicht, mit diesen Diagnosen die EM-Rente bewilligt zu bekommen. Hier besteht bei den Krankenkassen und Rententrägern nach wie vor ein großer Nachholbedarf.

    Ähnlich schwierig sieht es bei Schwerbehindertenanträgen aus, da die meisten Versorgungsämter weder ME/CFS noch MCAS kennen.

    Daher ist es sinnvoll, spätestens bei Widerspruchsverfahren rechtlichen Beistand in Anspruch zu nehmen.

    Bei der Suche nach einem geeigneten Anwalt spielt die Mundpropaganda eine wichtige Rolle.

    Fragen Sie in Selbsthilfeforen nach guten Erfahrungen mit Rechtsanwälten.

    Lesen Sie sich hier die Beiträge zum Thema "Recht" durch - und nehmen Sie Ihre Rechte z.B. bei der Gutachterwahl wahr. Informieren Sie sich regelmäßig mit Hilfe der Rechtsberatung des Me-cfs.net-Blogs über bisherige Rechtsurteile und Ihre Rechte.[i]

    In Hinblick auf die kostenlose Rechtsberatung und anwaltliche Vertretung über die Sozialverbände Vdk und Sovd sind Erfahrungsberichte in den sozialen Medien wiederum sehr ernüchternd und durchwachsen. Auch ich habe mit dem VdK eher schlechte Erfahrungen gemacht. 

    Daher bietet es sich an, im Zweifelsfall über den Anwalt Beratungshilfe und Prozesskostenhilfe zu beantragen.



    [i] https://me-cfs.net/blog, zuletzt aufgerufen am 07.06.2024

    LDN: Studie enttäuschend

      Die Ergebnisse einer Studie zu niedrig dosiertem Naltrexon (LDN) wurden veröffentlicht. Leider zeigen sie, dass LDN die Erschöpfung, d...