Heute bin ich durch einen Beitrag von Dr. Julia Maria Nonn, ärztliche Direktorin und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie aufmerksam geworden.
Diese weist auf Studien hin, die die diagnostischen Ungleichheiten im Zusammenhang mit der körperlichen Gesundheitsversorgung bei Menschen mit psychischen Erkrankungen überprüften:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39877262/
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S027795362600002X
Durch die Studien wird überdeutlich, dass das Risiko, somatische Beschwerden ohne gründliche Diagnostik der bekannten psychischen Diagnose zuzuschreiben, sehr hoch ist. Dieses Verhalten wird auch als diagnostisches Überschatten (diagnostic overshadowing) bezeichnet.
In der ersten Übersichtsarbeit von Liberati et al. (2025) wurde aufgezeigt, dass in 29 von 37 Studien mit geeigneter Vergleichsgruppe für Menschen mit psychischen Erkrankungen ein signifikant erhöhtes Risiko bestand, dass körperliche Erkrankungen nicht oder verspätet diagnostiziert wurden.
In der zweiten, aktuellen ethnografischen, Studie von Liberati et al. (2026) wurden in drei drei englischen Notaufnahmen 284 Beobachtungsstunden und 43 Interviews ausgewertet. Zeitdruck, mangelhafte Strukturen fördern dieses Risiko enorm.
Eine bekannte psychiatrische Diagnose darf jedoch nie dazu führen, dass ein neues körperliches Symptom nicht angemessen untersucht wird und als "psychisch bedingt" dargestellt wird.
