Yannik Loth nähert sich diesem Thema vorsichtig an und versucht jenseits der emotionalen Pro- und Contra-Diskussion den wissenschaftlichen Status Quo zu erfassen.
Ich gebe daher seine Worte wieder und fasse zusammen:
Bei manchen Menschen treten nach einer Impfung ME/CFS-artige Symptome auf. Die Symptome sind real und berichtet. Ob die Impfung sie verursacht hat, ist eine der schwierigsten Fragen, über die man schreiben kann, weil sie schon aufgeladen ankommt.
Den zwei Lager haben sofort Antworten.
Das eine sagt Ja. Das andere sagt Nein.
Beide sind oft selbstsicherer, als die Evidenz erlaubt.
Aber worauf können wir uns wirklich stützen?
Das PVS beschreibt eine Gruppe von Symptomen, die nach einer Impfung auftreten und ME/CFS ähneln:
- anhaltende Erschöpfung,
- post-exertionelle Malaise,
- kognitive Beeinträchtigung,
- autonome Symptome,
- nicht erholsamer Schlaf.
Es ist ein berichtetes Phänomen.
Aber es ist bisher noch keine formal definierte medizinische Diagnose.
Die Überschneidung mit postinfektiösem ME/CFS ist plausibel.
Die dieselben groben Arten von Mechanismen — Immunaktivierung, neuroimmune Signalübertragung, autonome Dysregulation — könnten durchaus bei beiden beteiligt sein.
Aber auch das ist eine Hypothese, aber noch kein Nachweis.
Bekanntlich folgt ME/CFS u.a. auf Infektionen. bzw. einen Immunreiz. Auch eine Impfung ist ein Immunreiz — im Allgemeinen ein schwächerer und kürzerer als eine sich replizierende Infektion, wobei die Lücke je nach Plattform variiert.
Damit wird der Impf-Fall zu einer Möglichkeit, die es zu untersuchen gilt, nicht zu einer starken Vorannahme.
Die Frage, ob eine Impfung zur Erkrankung führt, ist daher ernstzunehmen.
Das ist ein Argument, aber kein Beweis.
Was nach wie vor unbewiesen ist - so weh das tut
a)
Die Kausalität beim Einzelnen ist nicht belegt. Eine zeitliche Abfolge — geimpft, dann krank — ist für sich genommen keine Kausalität. Menschen werden ständig aus unabhängigen Gründen krank, auch in den Wochen nach einer Impfung.
b) Die mRNA-spezifische Frage ist im Wesentlichen ungetestet. Behauptungen, dass speziell mRNA-Impfstoffe dies antreiben, sind den Daten voraus.
c) Ein Teil der Symptomlast hat eine andere Erklärung. Nocebo-Effekte — Symptome, die durch Erwartung statt durch das Produkt erzeugt werden — sind nach einer Impfung gut dokumentiert, und es sind reale Symptome. Den Nocebo-Effekt als vollständige Erklärung für Post Vacc zu erklären, ist jedoch eine Form der Abweisung und unzulässig.
Was wurde bisher falsch gemacht?
a) Fehler Richtung eins:den Patienten abweisen.
"Abweisen" bedeutet, jemandem zu sagen, seine Erkrankung sei „nicht real”, oder es sei Angst, oder das Timing sei Zufall, mit der Begründung, dass kein Mechanismus bewiesen wurde. Das ist kein Skeptizismus. Es ist Abweisung im Gewand der Strenge, und es ist dieselbe Geste, die ME/CFS-Patienten seit Jahrzehnten erdulden.
b) Fehler Richtung zwei: Überzuschreibung des Impfstoffes als Ursache
Die geschieht in der Behauptung, ein Impfstoff habe ME/CFS eines Einzelnen verursacht, wenn keine Studie diese Aussage für diese Person stützen kann. Das ist ebenfalls nicht harmlos. Es schließt andere behandelbare Beiträge aus, es baut öffentliche Gewissheit auf einer ungetesteten Prämisse auf, und es liefert Gegnern ein leichtes Ziel.
Die geschieht in der Behauptung, ein Impfstoff habe ME/CFS eines Einzelnen verursacht, wenn keine Studie diese Aussage für diese Person stützen kann. Das ist ebenfalls nicht harmlos. Es schließt andere behandelbare Beiträge aus, es baut öffentliche Gewissheit auf einer ungetesteten Prämisse auf, und es liefert Gegnern ein leichtes Ziel.
Die Position, die beide Fehler übersteht, ist unbequem, aber korrekt:
Wir wissen es nicht, und wir können das auch (noch) nicht beantworten.
Symptombehandlung steht im Vordergrund
Wir wissen es nicht, und wir können das auch (noch) nicht beantworten.
Symptombehandlung steht im Vordergrund
Unabhängig, ob man eine Impfung verantwortlich macht, sind jedoch einige Symptome, die nach einer Impfung auftreten, medizinische Notfälle. Sie sollten sofort abgeklärt werden — nicht einem Syndrom zugeschrieben und nicht ausgesessen:
a)
Brustschmerzen, Atemnot oder ein rasender oder unregelmäßiger Herzschlag — mögliche Myokarditis oder Perikarditis.
b)
Ein starker anhaltender Kopfschmerz oder neue Verwirrtheit, Sehstörungen oder fokale Schwäche — mögliche impfstoffinduzierte Thrombose mit Thrombozytopenie (VITT).
c)
Aufsteigende Taubheit oder Schwäche oder neue Schwierigkeiten beim Gehen — mögliches Guillain-Barré-Syndrom.
d)
Alles, was schwer, sich verschlechternd oder anders ist als alles, was zuvor an Erkrankungen und Symptomen da war.
Niemand darf zuzulassen, dass die Argumentation über die Ursache die Abklärung oder eine Behandlung von schweren Erkrankungen verzögert.
Und zuletzt zum gemeinsamen Vorgehen, wenn alles abgeklärt ist:
Pacing bleibt das A und O - egal, wodurch die Erkrankung ausgelöst wurde.
Hier treffen sich die streitenden Geister:
Ein Patient, dessen Erkrankung auf eine Impfung folgte, und ein Patient, dessen Erkrankung auf eine Infektion folgte, brauchen denselben Ansatz.
Die integrierte Bewertung dieses Themas wird als schwache Evidenz eingestuft.
Das Phänomen ist berichtet und überschneidet sich mit einer gut charakterisierten Erkrankung, aber die Kausalität ist unbewiesen und die Einzelheiten sind ungetestet.
Was sollte nun aber einem Patienten gesagt werden?
- Seine Symptome sollten ernst genommen werden,
- Der zeitliche Zusammenhang zur Impfung sollte vermerkt und weitergegeben werden,
Gleichzeitig kann jedoch zzt niemand mit Sicherheit sagen, ob die Impfung allein für das gesundheitliche Problem verantwortlich ist.
Und damit wären wir bei der obigen Fragestellung:
Es kann niemand sagen,
- dass die Impfung die Erkrankung definitiv verursacht hat oder
- dass sie die Erkrankung definitiv nicht verursacht hat.
Das zu Loths Worten, der das Spagat zwischen den verfeindeten Polen versucht.
Ich selbst merke, wie ich manche Worte als sehr hilfreich empfinde, bei anderen jedoch stark verneinend den Kopf schüttele.
Denn er hat mit Vielem recht - und gleichzeitig benennt er nicht den Elefanten im Raum, nämlich die Forschungslücke zu den Impfstoffen.
Er lässt er die Frage aus,
- in welchem Land aktuell überhaupt zu Post Vacc geforscht wird und
- wo die angezeigten Fälle wirklich nachdrücklich verfolgt und untersucht werden.
In welchem Land wird zurzeit seriös zu den Folgen der MRNA-Impfstoffe geforscht?
Wo wird geforscht, wann ein idealer Zeitpunkt für eine Impfung ist - und wann man um Gottes Willen nicht impfen sollte?
Wo wird geforscht, ob für (leichtere) Frauen und Männer andere Dosen sinnvoll wären? Wo wird geforscht, ob die Nährstoffsituation und die Immunsituation bei einer Impfung entscheidend ist?
Da ich selbst nach einer Grippeschutzimpfung schwer erkrankt bin, bin ich überzeugt, dass der EBV damals schon in mit wütete und ich nährstoffmäßig stark unterversorgt war aufgrund eines starken Untergewichts. Wahrscheinlich wurde ich einfach zum falschen, weil fatalen Zeitpunkt geimpft. Oder die Dosis war für mich zu hoch. Oder, oder...
Ich glaube nicht, dass die damalige Grippeschutzimpfung 2002 selbst für meine ME/CFS verantwortlich war, aber der Umstand der Impfung schon.
Fragen über Fragen.
M.E. wäre das PVS ein Grund, die Impf-Frage in der Forschung angemessen zu behandeln - auch um die Emotionaliät aus den Diskussionen zu nehmen. Und das fehlt mir - wie vieles in der Aufarbeitung zur Corona-Pandemie - zurzeit v.a. auch in Deutschland doch sehr.
